Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2638044-2638113-2638114--3277-2641489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
EINE GEISTERAUSTREIBUNG AUS NEUERER ZEIT 15 Midrasch, der bisher keinen Erklärer gefunden hat und meines Wissens noch nicht beachtet worden ist. Zu Gen. 5, 28 wird die Frage aufgeworfen: Warum heißt es bei Lemech „und er zeugte einen Sohn"?, warum nicht wie in V. V. 26, 22, 19 usw. „und er erzeugte Noach"? Wir entnehmen daraus, meint der Haggadist, daß Methuschelach ein großer Gelehrter war und den Vater Noahs davor warnte, dessen Namen der Öffentlichkeit kund zu tun. Die Leute jenes Zeitalters trieben Zauberei. Wäre der richtige Name Noachs ihnen bekanntgewesen, so hätten sie ihn getötet. So kam es, daß Metuschelach den Knaben Noach nannte, während Lemech ihm den Namen Menachem gegeben hatls). Der Prediger kannte die Vorstellung, daß man nur mit der Kenntnis des Namens im Zauber wirken kann. Infolgedessen muß der Beschwörer oder Magier genau die verschiedenden Arten der Magie aufzählen, die eventuell die Schuld an der Krankheit tragen. Zum Beispiel in einem Texte Ms. Adler10) werden annulliert: a) Zauberei (kischufim), b) Flüstern (l'chaschim), c) Wahrsagerei (k'ssamim), d) (talssamim)20) und e) Beschwörungen (haschbaoth). Ferner muß ausdrücklich betont werden, ob der Zauberer, der die Person verhext hat, von der der Bann weichen soll, ein Mann oder eine Frau, ein Jude oder Nichtjude ist. Man muß dem Beschwörer genau mitteilen, ob die Krankheit durch einen Prinzen (ssar), Engel (malach), Dämon (sched), vernichtenden Engel (malache chabbala), Geister (ruchot), Plagegeister (massikim), die Nachkommen von Aza und x\zael, Samael und ihre Legionen, Samaels Gattin Agarath b. Machalath, Naamah, die Gattin des Tubalkain, die Mutter des Aschmodai, entstanden ist. IV. Ein Überrest dieser Vorstellung von der Bedeutung des Namens hat sich bis heute in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen erhalten. In schweren Krankheitsfällen glaubt man, den Todesengel damit täuschen zu können und zu dürfen, daß man den Namen des Kranken verändert. R. Isaac, ein auch sonst für die Religionsgeschichte interessanter Aggadist, lehrt, daß Veränderung des Namens das böse Verhängnis aufhebt21). Es ist nicht ausgeschlossen, daß dem Aggadisten die Vorstellung bereits geläufig gewesen ist, daß man sich durch eine Namensänderung vom Todesengel retten kann. In vielen Liturgien findet man eine spezielle Rubrik für diese Veränderung des Namens. Scheftelowitz, Das Schlingen- und Netzmotiv im Glauben und Brauch der Völker, RGW., XII, 2., Gießen, 1912, p. 22 f, bringt zahlreiche Beispiele für die Namensänderung nach dem Tode, eine Sitte, die mit der obigen aus dem Midrasch zusammengestellt werden kann. A. Abt, Die Apologie des Apulejus von Madaura und die antike Zauberei, RGW, IV, 2, Gießen, 1908, pag. 97, gibt Beispiele dafür, daß der Name des Menschen geändert wird, um den Träger vor dämonischen Einflüssen zu schützen, ferner wird pag, 119 darauf hingewiesen, daß man nach schwerer Krankheit den Namen wechselt, um die Dämonen