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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE Grab. Der Ursprung und die eigentliche Bedeutung dieser Sitte sind nicht mehr bekannt. Bei primitiven Völkern4) wird der ursprüngliche Brauch noch geübt. Ein Augenzeuge berichtet: Weiber, die vor Gräbern vorbeiziehen, werfen einige Grashalme oder Steine auf die Gräber, um zu verhüten, daß die Geister in sie fahren oder in ihnen zu neuem Leben kommen5). II. Der Aufenthaltsort der Geister ist der zweite Punkt, der uns hier angeht. Wir müssen uns daher die Genesis der Besessenheit dieser Frau vor Augen halten. Sie lebte in beständigem Streite mit ihrer Nachbarin. Sie flüchtet sich in den Abort, wo das Schimpfen und Zanken tüchtig losgeht. Während sie sich dort aufhält, befällt sie der Geist. Hier bewegt sich die Geschichte wieder auf allgemein bekanntem religionsgeschichltichem Boden. Die Lieblingsorte der Dämonen und Geister sind unreine Plätze, als solche gelten Abtritte, Grabstätten usw. R. Tanehum b. Ghanilai lehrt: Wer keusch im Abtritt ist, wird von Schlangen, Skorpionen und Geistern verschont6). Die Gefahr, von Geistern überrascht und überfallen zu werden, wird sehr häufig mit den Notverrichtungen und Reinigungen nachher in Verbindung gebracht7). Ferner sind böse Geister und Dämonen in Ruinen heimisch8). Badehäuser waren ebenfalls als Aufenthaltsort der Dämonen gedacht0). Gräber wie Felder werden von ihnen bewohnt10). Sie sitzen auf Bäumen11), in Steinen12), überhaupt außerhalb der bewohnten Stätten13), besonders aber an Scheidewegen und in der Nähe von Gräbern14). Auch der Geist in unserer Geschichte sucht zuerst seinen Zufluchtsort bei den Gräbern, besonders der Frommen, wie zum Beispiel Simon des Gerechten, aber vergebens. Wir sehen hier wieder eine Übereinstimmung zwischen der Jerusalemer Geisteraustreibung und den sonst bekannten dämonologischen Vorstellungen. III. Von größter Bedeutung bei Exorcismen ist es, den Namen des Geistes festzustellen. Die Wichtigkeit des Namens in Magie und Zauber wurde längst erkannt. Ohne den richtigen Namen zu nennen, kann keine Beschwörung kein Fluch, kein Heilmittel von der allergeringsten Wirkung sein. Der kleinste Fehler im Namen kann die ganze magische Handlung wirkungslos machen. Eine Spur dieser Vorsicht findet man in der Nennung des Namens der Mutter (mater certa) statt des Vaters bei diesen Handlungen15). In unserer Erzählung gibt der Geist zunächst einen falschen Namen an. Erst mit Mühe und Drohungen gelingt es dem Rabbiner, den wirklichen Namen des Geistes und den seiner Mutter festzustellen. Nach Dietrich verleiht die Kenntnis des Namens Macht über seinen Träger. Hier hat nur der wirkliche Name Platz10). Es gibt daher Menschen, die von Geburt an zwei Namen haben, einen geheimen und einen allgemein bekannten. Diese Einrichtung wurde getroffen, jum den Träger der beiden Namen vor Magie und Zauber zu schützen17). Wir finden ein ziemlich altes Beispiel dafür in einem

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