Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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EINE GEISTERAUSTREIBUNG AUS NEUERER ZEIT 13 Im Talmud finden wir an mehreren Stellen Rauch gegen Dämonen und Krankheiten angewandt (s. b. Gittin, 69 a, b, SANH. 65 a, b. Joma 84 a, vgl. Sword of Moses, ed. Gaster XIII). Hier ist auch zu beachten, daß nicht nur Geister, sondern auch der Todesengel oder der Satan durch Rauch verjagt werden können. Damit hängen wohl mehrere biblische Vorschriften über Räucherwerk und Räuchern zusammen (vgl. IZ Lauterbach, The Ceremony of breaking a Glass at Weddings in Hebrew Union College Annual, II, 356, und A singnificant controversy ibid., IV, 198 f.) Dem oben zitierten Midraschfragment entnehmen wir, daß man beim Besuch von Gräbern räucherte. Zur Zeit von Epidemien und Nöten, in Gefahren und Elend ging man zu den Gräbern der Eltern und Frommen, Heiligen und Verwandten. An öffentlichen Fasttagen galt es als allgemeine Sitte, die Gräber zu besuchen und dort zu beten (Taanith, 16 a, pal. Taanith, 65 a). Damit ist der Gräberbesuch an Allerheiligen in katholischen Ländern zu vergleichen (vgl. Sartori, Sitte und Brauch, III, 260), gegen den Kaiser Julian seine Stimme erhoben hat. Er sah darin ein Anwachsen der Gottlosigkeit (cf. Byz. Zeitschr., III, 141/42). Das Christentum folgte hierin aber nur der alten heidnischen Sitte. Wir wissen, daß Marcus Aurelius seinen Meister ehrte, indem eisern Grab besuchte, Opfer darbrachte und Blumen streute (Phiiostr. Vita Soph., II, 3, Dion Cassius, 41). Das Ausschütten von Speisen und Ausgießen von Getränken auf Gräbern wird auch im Buche Tobit als bekannt vorausgesetzt (4, 1, vgl. M. Rosenmann, Studien zum Buche Tobit, p. 20). Der Verfasser des Tobitbuches dürfte diese Sitte dem Weisheitsbuche des xVchikar entlehnt haben, dem er auch sonst zum Danke verpflichtet war (s. c. 2 ecl. New York). R. Nathan, ein Lehrer des 2. Jahrhunderts, der aus Babylonien stammte, kennt ebenfalls diesen Brauch (b. Sanhedr., 48 a). Nach einem Midraschfragment, das in einem Bibelkommentar aus dem 13. Jahrhundert erhalten ist, pflegten auch die Juden in Palästina diese Sitte und speisten auf den Gräbern (vgl. S. Schechter, Notes on a Hebrew Commentary on the Pentateuch in Semitic Studies in Memory of the Rev. Dr. Alex. Kohut, Berlin 1897, 492). Man besucht die Gräber von Freunden oder denen man Unrecht getan hat, um sich mit dem Toten auszusöhnen fb. Chag. 16 b, 22 b, b. Maccoth, 5 b, b. Joma, 87 a, vgl. M. Grünbaum, Neue Beiträge zur sem. Sagenkunde, 186, bei den Basutos derselbe Brauch, s. Z. d. V. Vk., X, 140). Man besucht Gräber, um Diebe auszuforschen oder Streitfragen auszutragen (x\ugustin, ep. 78, Z. d. V. f. Vk., X, 139, REJ. 33, 234). Gräber sind der geeignete Ort für magische Handlungen und Zauberkünste (s. Apt. Apulejus, p. 194). Demzufolge fürchtete sich der Patriarch, nach der Darstellung unseres Agadisten, dem die Sitten seiner Zeit wohl vertraut waren, vor magischen Künsten, die die Ägypter auf seinem Grabe treiben könnten1). Für die Verwendung von Kräutern gegen Dämonen in Magie und Zauber lassen sich auch sonst viele Zeugnisse anführen2). Nach jüdischer Sitte wird beim Verlassen der Gräber Gras aus der Erde gerissen und dreimal hinter den Rücken geworfen3). Man legt auch Gras auf das