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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE ist, über die altrabbinischen Texte und Zeugen dieser Vorstellungen und Handlungen Licht zu verbreiten. Im großen Ganzen kann man die Behauptung wagen, daß die Teilnehmer dieser Geschichte von dem Dämonenglauben und der Geisterbekämpfung der ersten vier Jahrhunderte stark beeinflußt sind. Wir lernen aus dem Schriftchen das zähe Leben abergläubischer Sitten und Gebräuche kennen. I. Ein nordafrikanischer Rabbiner in Jerusalem erkennt, daß eine Frau, die Monate lang vergebens ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt und trotz medizinischer Kunst ihr Leiden nicht verliert, von einem Dämon besessen, das heißt, von einem bösen Geist geplagt sei. Der Rabbi wendet ein altbewährtes Mittel an. Er schreibt den Gottesnamen (worauf?), nimmt etliche Kräuter, die verbrannt werden, und der emporsteigende Rauch zwingt den Geist in der Frau zu sprechen. Gleich am Anfang der Handlung begegnen wir einem uralten Brauch, der aus dem Tobitbuche, durch eine Agada des R. Jochanan ben Zakkai, aus den Kirchenvätern und sonst gut belegt ist. Im Buche Tobit finden wir die Vorschrift des Engels, eine Kohle vom Räucherwerk zu nehmen, darauf das Herz und die Leber eines Fisches zu legen und zu räuchern. Der Geruch vertreibt den Dämon (c. 8, v. 2—3). R. Jochanan ben Zakkai, der unter anderen Wissensfächern auch in der Dämonologie heimisch und bewandert war, weiß von dem Brauche, böse Geister durch Rauch zu verscheuchen (Pes. d'R. K., 40 B, und Parallelstellen). Ob R. Jochanan ben Zakkai selbst daran glaubte oder nicht, läßt sich nicht feststellen, denn der Bescheid wird einem heidnischen Fragesteller gegeben, der das Gebot von der roten Kuh auffällig findet. Wie dem auch sei, der Brauch war diesem Führer des Judentums bekannt, einerlei ob er ihn aus seiner jüdischen oder nichtjüdischen Umgebung kennen gelernt hatte. Ein Anonymus erklärt den Wunsch Jakobs, nicht in Ägypten begraben zu werden, damit, daß die Ägypter nicht zu seinem Grabe kommen und dort räuchern sollten. (Midrashfragment, ed. Theodor, in der Festschrift für Jakob Guttmann, p. 165 f.) Mittels Rauches kann man nach R. Juda b. Simon Schlangen aus dem Hause verjagen (s. Midr. Psalmen, ed. Buber, 187, vgl. Marmorstein, Beiträge zur R. G. und V. K. in Grunwalds Jahrbuch, I., 299). Die Vorstellung ist weit verbreitet. ,,Wer von einem Dämon besessen ist, soll von der Wurzel eines Krautes essen und räuchern." In ein Haus, in dem mit Wurzeln und Blättern der Päonie geräuchert wird, kommt nichts Böses. (Pradel, Fr., griech. und südital. Gebete und Rezepte, p. 114.) Im christlichen Mittelalter machen Räucherungen Verhexungen unmöglich. (Plaß-Renz, Das Kind, p. 5.) Nach dem Tode wird die Hütte ausgeräuchert, damit die Geister verscheucht werden (J. Scheftelowitz, Altpers. Religion, p. 32). Die Kirchenväter Justin (Dial. 85) und Hippolytus (s. T. U. 39, p. 32 f.) kennen den Brauch.. R. Azarjah, ein babylonischer Exilarch, der im Jahre 4988 1222 den Westen besuchte, empfahl, bei einer schweren Geburt durch Räucherwerk die Wehen zu verkürzen und zu erleichtern (s. Magazin, X, 67).

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