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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 51

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 51 (sequence 57)
Language
German
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V O M L I V J A T H A N 51 und jeder erhält einen ihm gebührenden Platz angewiesen. Dann fragt Gott: „Wünschet ihr Apfel-, Granaten- oder Traubenwein?" „Wie es dir beliebt", antworteten sie. Da kredenzt ihnen Gott den Wein, der seit der Zeit der Schöpfung in seinen Beeren aufbewahrt liegt6). Henoch hat auch den Baum gesehen, der das Obst zur Mahlzeit liefern wird7). Die größte und glänzendste Mahlzeit, die je auf Erden stattgefunden hat, war die des Königs Achasveros, an der auch Juden teilgenommen haben. Um sich von dieser Mahlzeit einen Begriff zu machen, braucht nur hervorgehoben zu werden, daß jeder Gast nach seinem Alter befragt wurde, und der angegebenen Jahreszahl entsprechend wurde ihm um ein Jahr älterer Wein dargereicht. Die Juden wurden aber außerdem auch noch befragt, ob ihr Gott ihnen einst eine größere Mahlzeit werde bereiten können. Da antworteten sie mit Hinweis auf Jesaja 64, 3: „Wenn er uns nur eine solche, wie diese ist, bereiten wird, so werden wir ihm sagen, wir hätten eine solche schon beim König Achasveros genossen8)." Sie werden gewiß Gelegenheit haben, sich zu überzeugen, daß Gott wirklich mehr bieten kann, wie sich unser Stammvater Isak schon am Ende seines Lebens überzeugte, als er in den von Jakob bereiteten Speisen den Geschmack aller Speisen und Getränke genoß, die bei jener Mahlzeit aufgetragen werden. Übrigens wird der Livjathan jeden beliebigen Geschmack bieten, wie es auch beim Manna der Fall wrar°). Bei der Mahlzeit wird das Gesicht der Frommen glänzen von einem Ende der Welt: bis zum anderen und von der Höhe wird Balsam auf sie herunterträufeln, dessen Duft auch von einem Ende der Welt bis zum anderen dringen wird10). Die Dauer der Mahlzeit ist auf zweitausend Jahre anberaumt. Dies ist die Zeit von der Ankunft des Messias b. David bis zum großen Gericht11). Und trotzdem viele Gäste ununterbrochen vom Livjathan essen werden, wird am Ende der Mahlzeit dennoch ein beträchtlicher Teil seines Fleisches übrig bleiben, das auf den Märkten Jerusalems feilgeboten werden wird. An der Mahlzeit werden auch Nichtjuden teilnehmen. Antoninus fragt einmal seinen Freund R. Juda hanaßi, ob er als Heide auch vom Livjathan genießen werde. Dieser bejahte es. „Wie," ruft jener verwundert aus, „vom Passah-Lamm bekomme ich nichts, warum dann vom Livjathan?" Was kann ich dafür, sagt der Patriarch, wenn vom Passah die heilige Schrift ausdrücklich sagt: „Ein Unbeschnittener darf nicht davon essen12)?" Aber die kleingläubigen Juden werden von der messianischen Mahlzeit ausgeschlossen, da der Prophet Sccharja sagt: „Wer bewirkt, daß der für den Tag der kommenden Welt bereitete Tisch geplündert ist? Ihre eigene Kleinheit, ihre Kleingläubigkeit." Nach beendeter Mahlzeit wird man dem Patriarchen Abraham den Becher zum Segenspruch reichen, aber sowohl er, wie auch Isak, Jakob, Moses und Josua weigern sich, das Ehrenamt anzunehmen, weil sie sich dessen nicht ganz würdig fühlen, bis endlich Davicf den Becher in die Hand nimmt und somit auch diese schwierige Frage löst1"). Zu bemerken wäre noch, daß der Prophet Jonah dem Livjathan ankündigte, er werde ihm seinerzeit das Seil über den Kopf werfen

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