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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 50 (sequence 56)
Language
German
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50 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE Seeungeheuer, die ich am fünften Tage des Schöpfungswerks geschaffen und bis auf jene Zeit aufbewahrt habe, werden alsdann zur, Speise für alle die dienen, die übrig sind2). Darin stimmen alle Quellen über ein, daß der Livjathan unmittelbar vor der großen Mahlzeit getötet und zur Speise zubereitet werden muß. Dieses Töten aber wird eine äußerst schwierige Aufgabe sein, da sich kaum ein lebendes Wesen finden dürfte, das mit diesem Ungetüm den Kampf aufzunehmen wagt. Zunächst fordert Gott die diensttuenden Engel auf, sie mögen hinuntersteigen und dem Livjathan den Krieg erklären. Sie gehen, fordern ihn heraus, aber kaum zeigt er ihnen sein Angesicht, so erschrecken sie und fliehen vom Kampfplatze. Nun schickt Gott den Erzengel Gabriel mit dem Befehl, den Livjathan zu fesseln und heraufzubringen. Es gelingt ihm auch die Fesseln anzulegen, sowie er ihn aber heraufziehen will, gerät er in große Gefahr, so daß Gott schnell eingreifen und helfen muß3). Endlich läßt Gott den Behemoth kommen. Die zwei Ungetüme stürzen sich mit solcher Wucht aufeinander, daß sie unmöglich von einander gelöst werden können. Gott gibt dem Livjathan einen Wink, er schlägt den Behemoth mit seinen Flossen, so daß er ihn schlachtet. Aber auch dieser erhält einen Wink und tötet seinen Gegner mit dem Schwänze. Nach einer Ansicht dürfte sich der Zweikampf schöner gestalten, wenn der Behemoth seinen Feind mit den Hörnern durchbohrt, dieser ihn aber mit dem Feuer tötet, das er während des Kampfes herausbläst, denn es heißt: ,,Aus seinen Nüstern dringt Rauch hervor4)." Dies wäre ungefähr das Programm jener Vorstellung, die im Jenseits zu Ehren der Frommen arrangiert wird. Und, „wer eine Jagd der Völker auf dieser Welt nicht gesehen hat," sagt ein Agadist, „der wird sie dort zu sehen bekommen. Der Behemoth zerreißt den Livjathan mit den Hörnern und dieser durchbohrt ihn mit den Flossen." Dem leblosen Livjathan wird nun die Haut abgezogen und daraus eine Hütte gebaut. Der Rest wird, wie bereits erwähnt, zu verschiedenen anderen Zwecken verwendet. Der Mahlzeit, die mit einem griechischen Worte ariston und talmudisch-hebräisch seudah genannt wird, steht nunmehr nichts im Wege. Moses nimmt regen Anteil an den Vorbereitungen zur Mahlzeit. Er schlachtet den Vogel Ziz schadaj, beruhigt aber zugleich sein Gemüt wegen einer scheinbar erlittenen Ungerechtigkeit. Als ihn nämlich Gott aufforderte, er möge sich zum Tode vorbereiten, da sagte er: „Herr der Welt, ich bin dein Diener (Nu 12, 1) und der Livjathan ist dein Diener (Hi 10, 28); ich bete zu dir und er betet zu dir. Sein Gebet erhörtest du, hast mit ihm auch einen Bund geschlossen, den du treu aufrecht hältst, während du den mit mir geschlossenen Bund nicht halten willst und mich dem Tode preisgibst." Hierauf antwortete Gott: „Dein Urteil ist gefällt und alle Geschöpfe müssen dein Los teilen5)." Jetzt geht Gott selbst daran, den Tisch zu decken, er schlachtet den Behemoth, den Livjathan und den Ziz schadaj und bereitet den Frommen eine große Mahlzeit, bei der Fische, Rindfleisch und Geflügel aufgetragen werden. Die Gäste werden zu Tisch geleitet, denn Livjathan bedeutet ja eigentlich Begleitung,

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