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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 46 (sequence 52)
Language
German
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46 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE einbar sei (Deut. r. 8, 6). Hier sind wir scheinbar am Seheidewege angelangt. Der Spruch wäre unverständlich, wenn man nicht annehmen dürfte, daß es auch unter Juden Astrologen gegeben habe. Sehen wir uns nun in der tannaitischen Literatur um, ob die Stellung zur Astronomie dieselbe gewesen ist, die wir in der Agada der Amoräer vorgefunden haben. Im Gegensatze zu R. Ghanina b. Chama, der ein Arzt und von wissenschaftlichen Vorurteilen ziemlich beeinflußt gewesen ist, hielten R. Jochanan, Rab, Samuel und R. Nachman b. Isaac am Grundsatze fest, daß Israel von der Astrologie unabhängig sei. R. Chanina hingegen lehrte, daß die Planeten die geistigen Fähigkeiten und das irdische Glück der Menschen beeinflussen. Auch über Israel haben die Planeten eine Macht. R. Jochanan zitiert Jer. 10, 2: Gewöhnt euch nicht an die Wege der Heidenvölker, zittert nicht vor den Zeichen des Himmels, vor denen die Völker sich fürchten. Doch gab es Schriftgelehrte, die an Mazzal glaubten. R. Joschua ben Levi hatte eine Tafel, auf der die Wirkung der Planeten auf die Geburt des Kindes aufgezeichnet war (b. Sabb. 156 a). Der Babylonier Rabba lehrte: Kinder, Leben und Ernährung hängen nicht von Verdiensten, sondern von den Planeten ab (cf. m. The Doctrine of Merits, S. 34, Anm. 94, vgl. auch über die Zusammenstellung dieser drei primitiven Ideale, Beiträge II, S. 344, Anm. 2 und Z.A.W. N. F. 3, 1927, 262—263). Später bürgerte sich der Gedanke ein, daß alles in der Welt vom Mazzal abhängig sei (vgl. über den Satz Ozar Nechmad II. 113, Dukes, L., Zur Sprachenkunde, S. 312, 106). Auch im Zeitalter der Tannaiten waren die Ansichten geteilt. Doch gab es, während im dritten Jahrhundert die Majorität der Schriftgelehrten an astrologische Einflüsse nicht glaubte, im zweiten Jahrhundert nur eine Minorität, die sich diesem Glauben entziehen konnte (vgl. Beiträge II, S. 367 f.). Die tieferen Ursachen dieser Sinnesänderung, wie ähnliche Unterschiede zwischen den Ansichten der verschiedenen Perioden auch auf anderen Gebieten der Agada beobachtet werden können, sind noch lange nicht untersucht, geschweige denn erklärt. Zum großen Nachteil der wissenschaftlichen Forschung der Agada wird an eine ununterbrochene Kontinuität des Glaubens und des Brauches gedacht, die tatsächlich nicht existierte. Außere Einflüsse, geistige Strömungen, Wechselwirkungen und innere Erlebnisse waren allzu mächtig und brachten Veränderungen, zum Guten oder zum Bösen, zum Vorteil oder Nachteil des religiösen Gedankens hervor. Mit einem Beispiele dieser Art wollen wir diese Reihe unserer Beiträge für diesmal schließen. In tannaitischen Quellen findet sich die auffallende Erscheinung, daß man mit Finsternis die bösen Geister verscheuchen kann. Mischna Sabbat IL 5 lehrt, daß man im Notfalle am Sabbat die Lampe oder das Licht auslöschen darf. Als solche Fälle werden angeführt: a) aus Furcht vor Heiden, b) Räubern und c) bösen Geistern. Maimonides erklärt den letzteren Punkt rationalistisch. Die ursprüngliche Bedeutung ist wohl, daß man sich vor bösen Geistern, Dämonen fürch-

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