Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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44 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE Wir finden ferner eine Nachricht über den Zauber des Herabziehens von Sonne und Mond in der Legende von den gefallenen Engeln, die diesen Zauber die Menschen lehrten (s. Seder Elijahu zutta, ed. Zolkiew c. 25, S. 37 a). 16. Astrologen und Astrologie Die häufige Erwähnung von Astrologen und Astrologie in rabbinischen Gleichnissen und Sprüchen ist eine der interessantesten Erscheinungen der Agada. Es ist einerseits zu bedenken, welchen Einfluß der astrologische Gedanke auf Sitte und Religion der Menschen ausüben mußte, anderseits zu erwägen, wie mächtig die Anziehungskraft der Astrologie auf die Juden gewirkt hat, die in einer Welt lebten, in der der astrologische Glaube heimisch war. Die mosaische Religion steht in offenem Kampfe mit der Astralreligion. Greßmann behauptet, daß „das Judentum, so merkwürdig das klingt, sich der Astralreligion ergeben habe und ihr je länger je mehr verfallen sei" (Religion in G. G. 2, I, 593). Wir wollen gegen den talmudischen Grundsatz: „Man erwidert nicht dem Löwen nach seinem Tode" nicht sündigen, aber seine Worte sollen hier sine ira et studio untersucht werden. Greßmann schließt mit den Worten: „Den Höhepunkt der Astralreligion im Judentum bedeutet das erste Jahrhundert v. Chr., das ja zugleich den Sieg der babylonischen A.-Religion in der ganzen Welt bis nach Rom bedeutet. Dann erst erfolgt mit dem Auftreten Jesu der Bruch in der bisherigen Entwicklung; im Urchristentum, wie in der jüdischen Kirche, werden die Anhänger der A. an die Peripherie gedrängt, so daß sie nur noch als Halbchristen oder Halbjuden gelten können" (ibid. 594). Zuerst ist zu beachten, daß in den meisten Gleichnissen, in denen von Astrologen oder Astrologie die Rede ist, Heiden gemeint sind. Einige Beispiele sollen dies beweisen: R. Samuel b. Isaac, der im dritten Jahrhundert lebte und mit Magie ziemlich vertraut gewesen ist (s. m. The Doctrine of Merits, S. 18, Anm. 61) spricht von einem König, der Einkäufe macht für seinen Sohn, der noch nicht auf der Welt ist. Die Leute sagen: Der König ist ein Astrologe und weiß, daß er einen Sohn haben wird (Gen. r. 1. 5., ed. Theodor, S. 6). In einem zweiten Gleichnis spricht derselbe Agadist von einem Herrscher (Schilton), der durch Astrologie erfährt, daß die Tochter des von ihm Verurteilten einen König heiraten wird (Gen. r. c. 63, ed. Theodor, S. 679, Lev. v. 36, 4 im Namen des R. Samuel b. Nachman, Agadath Bereschit c 64). Selbst dieser Agadist meint, daß für Abraham die Astrologie keine Bedeutung besessen habe (Gen. r. 44, 10, Pes. r. c 43. Agad. Ber. c 37). R. Jehuda b. Simon erzählt von einem König, der durch Astrologie erfährt, daß eine Schlange seinen Sohn beißen werde (Gen. r. 98, 10). R. B ib i berichtet von einem heidnischen Brauch. Wenn einer einen Sklaven kaufen will, geht er zu einem Astrologen, um ihn zu befragen, ob die Stunde zum Kauf geeignet sei, oder nicht. (Gen. r. 87, 4). Nach R. Abba b. Kahana befragt Mescha, der König von Moab, alle Astrologen, warum die Juden ihn besiegen. Sie verweisen ihn auf das Verdienst Abrahams (Pes. B. 13 a). Die Astro-