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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 43

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 43 (sequence 49)
Language
German
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SCHIBCHE HA-ZADDIKIM 43 15. Lekanomantie Tanchuma (Ende Bereschit, ed. Franfurt a. O., 8 B) bringt eine Erklärung, deren Sinn ohne religionsgeschichtliche Studien unersehlossen bleiben muß. Zu Gen. 6. 4 wird gesagt, daß die Zeitgenossen der Sintflut Sonne und Mond sahen und Zauber trieben. Auf sie wird Hiob 24, 13 bezogen. In ed. Frankfurt heißt es zu „morde", daß sie widerspenstig waren. Kopisten und Drucker haben den Text nicht mehr verstanden. Midrasch ha-Gadol (col. 131 ed. Sehechter) bringt den Satz im Namen des R. Elieser und liest korrekter: „Sie haben Sonne und Mond heruntergebracht (moridin) und trieben Zauberei/4 Diese Lesart wird auch im Kommentar zu Hiob von Samuel Masnuth (Mayan Ganim, ed. Buber, 1889, S. 77) bestätigt. Diese zwei Zeugen genügen. Das Zitat im Namen des R. Eliezer macht es wahrscheinlich, daß der Redakteur des Midrasch ha-Gadol die Stelle dem Pirke des R. Eliezer entlehnt hat, obwohl unsere Ausgaben die Stelle nicht haben. Was dachte sich nun der Midraschlehrer unter: Sie bringen Sonne und Mond herab und treiben Zauber"? Es ist kein Wunder, daß die Midrascherklärer wie auch die Midraschprofessoren über die Stelle ohneweiters hinweggehen. Der Agadist wußte mehr von der antiken Kultur und Zivilisation, als man ihm gewöhnlich zumutet. Er spielt hier auf die Lekomantie an, die in den ersten Jahrhunderten sehr verbreitet gewesen zu sein scheint. Wir wissen, daß Sonne-und-Mond-Herabziehen zu den magischen Künsten der ersten Jahrhunderte zählte und auch im Mittelalter wie Neuzeit noch üblich war. Hippolytos in seinem Kapitel gegen die Magier schildert den Vorgang ganz genau. Er hat die Nachricht älteren Quellen entlehnt (vgl. Ganschienietz, Hippolyts Kapitel gegen die Magier, Texte-Unters/ XXXIX., Leipzig 1913, S~ 62). Sosiphanes spricht in Meleagros von den Thessalierinnen, die vorgeben, daß sie den Mond zur Erde ziehen können (s. A. Abt., Apologie des Apulejus, S. 99). Die Erwähnung dieses Zaubers in unseren Texten scheint der Vermutung W. Krolls zu widersprechen, der meint, daß wir in den häufigen Erwähnungen dieses Experiments (des Herabziehens des Mondes) weniger ein Zeichen häufiger Übung dieses Zaubers als vielmehr Verwertung eines literarischen, vielleicht zu Alexandria aufgekommenen Motivs zu erblicken haben (s. Ganschienietz, I. c, S. 10). Die Tatsache, daß die rabbinischen Lehrer diese Zauberhandlung kannten, läßt die Vermutung aufkommen, daß die Praxis häufig genug gewesen sein muß. Es ist wohl nicht gut annehmbar, daß die Lehrer die Zauberliteratur studiert hätten. Die Vorstellung, daß die Zeitgenossen der Sintflut Zauberer waren und Zauberei getrieben haben, findet sich auch im Midrasch Akbir (Jalkut Gen., S. 42). Methuschelah riet dem Vater des Noah, seinem Sohn einen heimlichen Namen zu geben, damit die Zeitgenossen in ihren Zaubereien hilflos seien. Methuschelah nannte den Knaben Noah, der Vater nannte ihn Menachem. Ohne Kenntnis des richtigen Namens kann der Zauberer nichts ausrichten.

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