Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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42 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE ist, aber auch einzelne neue Züge bietet. Statt „Abkneipen" wird hier von „Abrupfen" gesprochen. Ferner werden Lichter angezündet und die Leute bücken sich vor dem sprechenden Kopf. Der Verfasser des Daath Zekenim (S. 15 d) zitiert die Stelle und las statt „abrupfen" zerstückeln. Der Ausdruck fehlt im Tanchuma (ed. Frankfurt a. O., f. 39 a) ganz und gar, hingegen erwähnt T. auch das Anzünden der Lichter. An einer anderen Stelle bringt T. (S. 43 B) die Nachricht im Namen des R. Akiba, daß die goldene Zunge, die Achan sich angeeignet hatte, die magische Platte gewesen sei, die von den Bewohnern in Jericho für magische Zwecke gebraucht wurde (vgl. auch Pirke R. Eliezer, c. 38). Die magische Kunst der sprechenden Köpfe war im Altertum allgemein verbreitet. Hippolytos in seinem Kapitel über die Magier erwähnt diese Praxis (vgl. Ganschientz, in TU. 39, S. 72-, der an einen abendländischen Ursprung dieses Brauches denkt. Er bringt auch Beweise aus dem klassischen Altertum und dem Mittelalter. Die Praxis war aber auch im Morgenlande wohl bekannt.) ChwTolson (Ssabier II, 154) fand sie auch im Orient und die rabbinischen Quellen schöpften auch ihre Kenntnisse aus ihrer Umgebung. 14. Mutter Erde Albert Dietrich hat in seiner Arbeit unter diesem Titel einen Versuch über Volksreligion geliefert (Leipzig 1905), die auch so manches Licht auf die rabbinische Literatur wirft. Vor allem ist auf die Gleichsetzung zwischen Weib und Saatfeld hinzuweisen (vgl. K. Weinhold, „Zur Geschichte des heid. Ritus", Abh. Akad. Berlin 1896, 30 f. Frazer, Golden Bough II, 205 Abt.) Die Apologie des Apulejus(R.G.V.V., IV, 2, Gießen 1908, 242) bringt noch ein Beispiel aus der Apologie, Pseudo-Jonathan, Numeri 20, 17 übersetzt den Satz: „Laß uns doch durch dein Land ziehen! Wir wollen nicht durch Äcker oder Weinberge ziehen" usw. mit den Worten: ,,Wir werden keine Jungfrau verleiten, keine Verlobte zwingen und keine Verheiratete verführen." Targum Jeruschalmi hat statt arissan (Verlobte) anissan, ebenso Pseudo¬ Jonathan zu 21, 22. Der Targumist sah in Acker und Weinberg Synonyma des Weibes. Im Midrasch finden wir den Satz: Feld (Sadeh) ist gleichbedeutend mit Weib oder Jungfrau (vgl. Tanch. B. V. 35, b. B. B. 16 B, Gen. r. 3, 12, Pes. B. 22 B., Pes. r. 47 B. cf. W. Z. K. M. 1915, 365). Ebenso in der Phrase (nisspagcha ssadehu): sein Feld wurde überschwemmt, ist Feld euphemistisch genommen. Schließlich ist noch auf den hebräischen Sindabar zu verweisen (Z. 186 f. ed. Cassel), wo es heißt: ,,Es lebe unser König, wir haben diesem Manne unser Anteil des Feldes gegeben!" Die ursprüngliche Idee der Mutter Erde war den Rabbinern auch bekannt; sie haben das Liegen des Toten auf Sand, Scherben oder nackter Erde verboten (vgl. Semachot c. L, Isane Ghayyat, Abel 28, Nachmanides, Torat ha Adam), vgl. aber Nissim zu Sanh. 46 B., cf. Eccl., r. 1. 16. (Vgl. auch Jahrbuch I, Vorgesch. des Sukkotrituals. Dr. Gr.)