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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 41

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 41 (sequence 47)
Language
German
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SCHIBCHE HA-ZADDIKIM 41 zählen, wie alles sich ereignete und welche Rolle er dabei spielte. Die Vorsteher befürchteten großes Unheil für die ganze Gemeinde, der Rabbi aber war ganz anderer Meinung. Am dritten Tage erschien der Rabbi mit den Vorstehern vor dem Könige. Der Rabbi nimmt die ganze Schuld auf sich und erklärt dem Könige den Beweggrund seiner Tat. Der König findet des Rabbis Worte recht einleuchtend und ist von der wundertätigen Heiligkeit des Mannes tief gerührt. Er entzieht dem Manne die Pacht der Fische. Der Rabbi begibt sich in Begleitung des Königs, des Hofes und des Volkes zum Ufer, wo er den Bann löst, und die Fische kehren wieder. In dieser Legende34) sind zwei Vorstellungen besonders beachtenswert. Erstens, daß der Genuß von Fischen Fruchtbarkeit verursacht. Die Vorstellung, daß Fischgenuß fruchtbar mache, war den Juden der ersten vier Jahrhunderte wohlbekannt. Die Ägypter beschäftigten die Israeliten. Sie konnten weder bei Tag noch bei Nacht zu ihren Familien heimkehren. Ihre Frauen besuchten sie an der Arbeitsstätte. Sie wurden von zwei Engeln gebadet und schöpften Wasser mit kleinen Fischen. Kleinen Fischen, denn sie fördern die Fruchtbarkeit35). Derselbe Satz mit geringen Veränderungen auch in einer Borajta36). Die Erzählung vom innern Leben der Hebräer in Ägypten findet sich auch im Talmud37) und im Tanchuma im Namen des R. Simon ben Eleazar3s). Deshalb war der Fisch auch als Sabbatspeise sehr gesucht39). In Tunis spielt der Fisch bei Arabern wie Juden im Fruchtbarkeitszauber eine große Rolle. Junge Eheleute müssen über einen Fisch siebenmal schreiten40). Fische bedeuten überhaupt Glück41). Bei den Deutschen machen Stücke des zerschnittenen Fisches die Essende schwanger42). Ebenso werden im lettischen Märchen Wirtin, Magd und Stute schwanger, weil sie von einem Fische essen43). Daß der Fisch im Fruchtbarkeitszauber und in der Symbolik44) bekannt ist, hat Abt45) klar gezeigt. Im jüdischen Volksglauben herrscht die Vorstellung, daß das böse Auge über Fische keine Macht habe (b. Ber. 20 a). Sollte damit auch die Verwendung der Fische im Fruchtbarkeitszauber zusammenhängen? Der zweite Punkt in dieser Erzählung, der folkloristische Bedeutung hat, ist das Werfen des Scherbens ins Wasser. Die Magie der Kieselsteine und Scherben wurde bereits im ersten Teile dieser Beiträge besprochen (I, S. 281 ff.)46). 13. Kraniomantie Diese Art der Mantik begegnet uns im Pseudo-Jonathan-Targum Gen. 31, 19, wo der Targumist seinen Zuhörern oder Lesern das Wort Theraphim näher erklären will. Man nimmt und schlachtet einen Erstgeborenen, man kneipt seinen Kopf ab, reibt ihn mit Salz und Gewürz ein, man schreibt Zauberworte auf eine goldene Platte, gibt sie unter die Zunge, dann stellt man den Kopf auf eine Wand und der Kopf spricht mit den Leuten. Die Pirke des R. Eliezer (c. 36), die auch sonst förmlich und stofflich mit dem Targumisten nahe verwandt sind, hat eine Schilderung, die der targumischen recht ähnlich

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