Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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40 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE aber erst lange nach Rabbis Tod zur Mischna hinzugefügt (vgl. D. Hoff mann, „Die erste Mischna", S. 32). Hingegen ist aus Aboth III, 17 („Das Buch ist aufgeschlagen und die Hand schreibt ein'4) nicht zu entnehmen, ob R. Akiba bereits die Vorstellung kannte. Die Vorstellung von Metatron, dem himmlischen Schreiber, ist ebenso unsicheren Datums. B. Chagiga, 15 a, wird wohl Metatrons Tätigkeit von Elischa b. Abuja erwähnt. Sprache und Inhalt deuten darauf hin, daß der ganze Dialog viel späteren Ursprungs ist. Es liegt kein Beweis vor, in dieser Vorstellung tannaitisches Gut zu sehen. Vielmehr sind wir berechtigt anzunehmen, daß wir es mit einer der vielen neuen Lehren des dritten Jahrhunderts zu tun haben. Die dritte Vorstellung vom Zaddik, der Gottes Ratschluß aufhebt, wurde bereits von mir in den vorigen Beiträgen (II, S. 351IT.) ausführlich behandelt. An einer anderen Stelle wird der Beweis erbracht, daß die Idee vom himmlischen Gerichtshof erst im dritten Jahrhundert in die Agada eingedrungen ist. (Vgl. jetzt Marmorstein, Anges et hommes dans rAgada, in R. E. J. 84, 1927, S. 37—50.) Wir kommen zur letzten Erzählung unseres Buches. In einem Orte, an dem sehr viele Juden lebten, gab es einen Rabbi, der auch als Mohel fungierte. Tagtäglich hatte er eine ganze Reihe von Funktionen dieser Art zu verrichten. Einer der Fürsten pachtete vom Könige das Recht, Fische zu verkaufen und trieb die Fischpreise in die Höhe. Die Juden hörten auf, Fische zu kaufen, und damit ging auch die Zahl der Geburten zurück. Der Rabbi wundert sich hierüber und erfährt daß die hohen Preise der Fische, von der Regierung festgesetzt, daran schuld seien. Hierauf nimmt der Rabbi einen Scherben, schreibt darauf das Tetragrammaton und gibt einem Schüler den Auftrag, ihn ins Meer zu werfen. Der Schüler tat also und berichtete darüber seinem Meister. Von dieser Zeit an kam kein Fisch mehr zum Vorschein, weder die Stadtleute noch der königliche Hof konnten frische Fische bekommen. Der König fragt seine Hofleute nach der Ursache dieses Mangels an Fischen. Die Antwort lautete, daß keine Fische mehr zum Vorschein kommen. (Vgl. die erste Szene in Bernh. Shaw's Saint- Joan.) Der König befragt die Fischer und erhält dieselbe Antwort. Er geht mit den Fischern zur See und überzeugt sich persönlich von der Wahrheit der Auskunft. Der König, von seiner Seefahrt heim gekehrt, ruft seine Minister und Räte zusammen, die Geschichtsforscher werden beauftragt, in den alten Chroniken über die Sache nachzuforschen, alles vergeblich. Es wird eine Untersuchung eingeleitet, wer an dem Tage, seitdem die Fische aufhörten, in der Nähe des Wassers gewesen sei. Einer lenkt die Aufmerksamkeit auf den Juden, der irgend etwas in die See geworfen habe. So wird der Verdacht auf die Juden gelenkt, die die Sache aufzuklären imstande seien. Die Gemeindevorsteher werden gerufen und unter schweren Drohungen wird eine Antwort von ihnen gefordert. Vergeblich. Es wird ihnen eine dreitägige Bedenkzeit gewährt. Sie gehen zum IJabbi, damit er einen Fasttag anordne. Der Rabbi beruhigt die Vorsteher. Er selbst wird zum Könige gehen und ihm den Sachverhalt genau er-