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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 32

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 32 (sequence 38)
Language
German
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32 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE und Tlemcen. Baruk ben Zalman Faitusi4) erzählt folgende Geschichte von unserem Helden: Auf der Wanderung wurde Efraim vom Sabbat überrascht an einem Orte, wo Löwen und Schlangen hausten. Der Heilige wollte den Sabbat nicht entweihen und übernachtete am Platze. Er blieb ganz aliein, denn seine Genossen wollten sich der Gefahr nicht aussetzen. Die Dunkelheit bricht heran, die Löwen brüllen, da kommt ein Löwe, fürchterlich und mächtig, setzt sich vor den Rabbi hin wie ein Hund vor seinen Meister. Die wilden Tiere meiden die Stätte. Der Löwe sitzt dort bis zum Sabbatausgang. Eine Schlange liegt im Munde des Löwen. Der Löwe bedeutet dem Rabbi, er möge nur aufsteigen. Der Rabbi setzt sich auf den Löwen, der ihn nach Tlemcen bringt. Dort erkannten die Leute die Heiligkeit des Mannes5). Sonderbarerweise haben wir eine ganz ähnliche Geschichte in unserem „Schibhe ha-Zaddikim", ediert von David Eidan0). Der Held ist aber nicht Efraim Alnaqu a, sondern M a a s u d e 1 - F a s i. Dieser hatte den Entschluß gefaßt, mit anderen Heiligen ins Gelobte Land zu ziehen. Die Genossen waren Aron Peretz und Simon Labia. Sie reisten durch die Wüste, als der Sabbat einfiel. Die Gesellschaft wollte wegen der Löwen und wilden Tiere nicht in offener Wüste rasten. Sie setzten trotz des Sabbats ihre Reise fort. Nur el-Fasi blieb in der Wüste zurück und wollte nicht den Sabbat entweihen. Ohne Bangen ließ er sich an einem bestimmten Platze nieder. Er machte mit seinem Stabe einen Kreis und saß daselbst mit seinem Diener, der bei ihm geblieben war. Der Fromme verrichtet sein Gebet, als stünde er in einer großen S}magoge, spricht den Segen über den Wein. Da hört der Diener das Brüllen der Löwen und fürchtet sich sehr. Ein Löwe kommt und der Rabbi beruhigt den Diener: „Fürchte dich nicht! Der Löwe wurde uns von Gott als Hilfe bestimmt!" Der Löwe lagert sich am Rande des Kreises. Der Rabbi wäscht sich die Hände, ißt seine Sabbatmahlzeit und verrichtet das Tischgebet. Hierauf legt er sich ruhig schlafen. Der Diener ist von fürchterlicher Angst geplagt und kann keine Ruhe finden. Der Heilige verbringt den Sabbat, als wäre er in seinem eigenen Hause. Sonntag früh befiehlt er seinem Diener, den Löwen als Reit- und Lasttier zu gebrauchen. Sie legen ihre Last auf den Löwen und der Rabbi mit seinem Diener reiten auf des Löwen Rücken, bis sie nach Tunis gelangen. Die Bewohner der Stadt waren nicht wenig erstaunt beim Anblicke dieser Wanderer. Sie sind von Schrecken erfüllt und schließen ihre Häuser. Der König selbst sieht den auf dem Löwen reitenden Rabbi und bittet ihn, Unheil zu verhüten. Der Rabbi beruhigt den König und entläßt den Löwen. Nach drei Tagen kamen die anderen Reisenden in Tunis an und freuen sich, ihren Genossen wiederzusehen. El-Fasi bleibt in Tunis, wo er auf Ansuchen der Gemeinde eine Schule gründet. Aron Peretz geht nach Gerba und Simon Labia läßt sich in Tripolis nieder. Soweit die Erzählung, die mit der des x\lnaqua mehrere Züge gemeinsam hat. Die Prediger des Mittelalters erzählen ähnliche Legenden im

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