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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 33

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 33 (sequence 39)
Language
German
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SCHIBCHE HA-ZADDIKIM 33 <i, y* „Der Löwenreiter" Miniatur aus einer Haggadali {X[l'\ Jahrhundert) im Britischen Museum in London Namen der Kirchenväter Ambrosius und Hieronymus7) .Eine Jungfrau wird zur Zeit der Verfolgung in ein Schandhaus gesteckt, weil sie den Götzen nicht opfern will. Da erscheint ein Löwe und trägt sie davon'. Es ist wohl unmöglich, die Legenden der nordafrikanischen Heiligen mit diesen in Berührung zubringen, obwohl das Motiv sehr ähnlich ist. Wie der Löwe in der christlichen Legende die Keuschheit der Jungfrau und in der spät jüdischen die Sabbatruhe der Heiligen behütet, so finden wir im pal. Talmud die Nachricht, daß Löwen das Getreide eines Mannes, der nach Jerusalem gewallfahrtet war, vor Dieben behüten8). Die nämliche Vorstellung war auch in Babylonien heimisch. R. Safra zog mit einer Reisegesellschaft, die von einem Löwen beschützt worden warJ). R. Huna sagt im Namen des R. Josef, daß in der Danielerzählung (c. 6) ein Engel in Gestalt eines steinernen Löwen herabgefahren sei und an der Öffnung der Grube gesessen habe10). Verwandlungen in Löwen sind auch anderweitig belegbar und hängen mit dem dämonischen Charakter des Königs der Tiere zusammen11). Wahrscheinlich haben wir in unseren Legenden eine alte Reminiszenz an die Hilfe, die Löwen und Schlangen im Dionysosmythus in der Gigantomachie dem Gott leisten. Diese Unterstützung wird oft dargestellt und ist so dem Volke geläufig geworden12). Das Auftreten der Schlange in der Alfasi- Legende dürfte auf die Vorstellung des Gegensatzes zwischen diesen beiden Tieren zurückgehen13), der aber hier auf übernatürliche Weise ausgeglichen wird. Selbst Schlange und Löwe, die doch als Feinde gedacht werden müssen, vereinigen sich, um dem Heiligen Hilfe zu leisten. Die Hilfe des Löwen kann auch mit den zwei Löwen in Verbindung gebracht werden, die im Kultus und Ritus die Gottesmutter, rechts und links, flankieren14). Es ist nicht undenkbar, daß wir in diesen Legenden Reste alter Mythen und Mischungen alter Reminiszenzen vor uns haben. Hier muß noch auf Maasen Buch Nr. 138 und Gasters Exampia Nr. 103 verwiesen werden, wo die Geschichte in einer abendländischen Form erscheint. Die drei Gefährten sind hier keine Palästinapilger, sondern Kaufleute. Zwei von ihnen setzen ihre Reise fort, der Chasid bleibt zurück. Statt eines Löwen wird er von einem Bären behütet. Die Sabbatbrecher wrerden von zwei Räubern beraubt, der Sabbathüter von ihnen belohnt. Der Bär begleitet den Chasid bis zu seinem Wohnort.

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