Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM LIVJATH AN 23 ist, um vom Livjathan verzehrt zu werden?'' — „Führe mich zu ihm," sagt Jonah, „ich werde dich und mich retten." Er führt ihn hin und Jonah sagt: „Ich bin hiehergekommen, um deine Wohnung im Meere zu besichtigen. Aber ich bin auch dazu ausersehen, einst eine Schlinge um deinen Hals zu werfen und aus dir eine Mahlzeit für die Frommen zu bereiten.44 Da erschrak der Livjathan und floh, bis er eine Strecke zurückgelegt hatte, die eine Reise von zwei Tagen beansprucht. Nun wendet sich Jonah zu seinem Fische: „Ich habe dich vom Schlund des Livjathan befreit, jetzt zeige mir alle Sehenswürdigkeiten in den Meeren und Tiefen.44 In einem Zeitraum von drei Tagen bereiste Jonah alle Meere und besichtigte alle Wunder der Unterwelt, so daß er sich in dieser Lage sehr wohl fühlte und sogar zu beten vergaß. Da sprach Gott: ,,Ich habe ihm absichtlich einen männlichen Fisch geschickt, damit er in dessen Innern einen bequemen Platz habe, und schon betet er nicht; jetzt schicke ich einen weiblichen, in dessen Schöße 3656) Myriaden kleiner Fischlein der Geburt entgegenharren, da wird es ihm enger werden, und so wird er zum Gebete Zuflucht nehmen."' Sofort kam ein weiblicher Fisch und sagte zum Männchen: „Gott schickte mich, um den Propheten, der in deinem Innern ist, zu verschlingen. Entweder gibst du ihn heraus, oder ich verschlinge dich mitsamt dem Propheten.44 — „Wer weiß aber,44 fragt das Männchen, „ob du die Wahrheit sprichst?" — „Der Livjathan4*, lautet die Antwort. Sie gehen also zum Livjathan, den das Weibchen folgendermaßen anredet: „Livjathan, König aller Fische des Meeres, weißt du nicht, daß mich Gott zu diesem Fische sandte, um den Propheten, der in seinem Innern ist, zu verschlingen?" — Livjathan: „Ja.44—Männchen: „Wann?" (Wann hast du dies erfahren?) — Livjathan: ,,In den letzten drei Stunden, als Gott herunter kam, um mit mir zu scherzen, hörte ich es4'7). Demzufolge mußte Jonah sofort seine neue Wohnung beziehen, in der er sich aber so unbehaglich fühlte, daß er sogleich zum Gebet seine Zuflucht nahm. Nach einer anderen Version tötete Gott den Fisch, der den Propheten verschlang. Da kamen alle Fische und bissen ihn von allen Seiten, so daß Jonah sich in einer gefährlichen Lage befand und zu beten begann. Da belebte Gott den Fisch und befahl ihm. den Propheten auszuspeien, was sogleich geschah. Wie groß mag nun der Livjathan sein, wenn er ohne die mindeste Anstrengung einen Fisch verschlingen kann, in dessen Rachen der Prophet Jonah so gemütlich eintreten konnte wrie in eine große Synagoge? Die unbezwingbare Stärke, die körperliche Kraft des Livjathan schildert Hiob ausführlich und endet die Beschreibung des mächtigen Untieres mit den Worten: „er ist König aller Seetiere", wie ihn auch der Fisch apostrophiert: „König über alle Fische des Meeres." Seine ungeheure Kraft kennzeichnet schon der Umstand, daß er auf seinen Flossen die ganze Welt trägt. Denn am fünften Tage der Schöpfung nahm Gott Licht (Feuer) und Wasser und schuf daraus den Livjathan, sein Weibchen und die übrigen Fische. Dann stellte er die ganze Welt auf die Flossen des Livjathan. Den Schlamm des Wassers quirlte er gut durch und schuf daraus den Ziz schadaj (Ps 50, 11; 80, 14) und die