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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 24

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 24 (sequence 30)
Language
German
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24 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE übrigen Vögel. Die Füße dieses Ziz stehen auch auf den Flossen des Livjathan und sein Kopf berührt den Thron Gottes8). Der Verfasser des Sohar sagt vom tannin, worunter er den Livjathan versteht, die ganze Welt stehe auf seinen Flossen. Einmal in 70 Jahren bewegt er seine Flossen, wodurch er die ganze Welt erschüttert. Auch von einer Schlange, die wieder nur der Livjathan sein kann, erzählt der Sohar, sie habe einen Kopf rot wie eine Rose, Schuppen stark wie Eisen, sei mit Flügeln versehen und lebe im Wasser. Sie speit Feuer und die Fische fliehen vor ihr nach verschiedenen Richtungen. Siebzig Jahre liegt sie auf einer Seite. Wenn sie sich in Bewegung setzt, wird ihr ein Spitzhaken (Ezech. 29, 4) angelegt, und sie so in die Tiefe gezogen, um ihre Kraft zu brechen, da sie sonst die Pfeiler der Himmel erschüttern würde9). Die Bagobos (Philippinen) glauben: das Innere der Erde wird durch einen großen Pfahl gehalten, welchem sich ab und zu eine große Schlange nähert, die sich bemüht, ihn wegzurücken. Dadurch kommt der Pfahl ins Schwanken und bewirkt Erdbeben10). Die Kraft Livjathans ist für die Erhaltung der Seetiere von besonderer Wichtigkeit. Gott schuf kleine und große Fische, auch solche, die eine Größe von 400 Parasangen erreichen. Und hätte Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit keine entsprechenden Maßregeln getroffen, so könnten die kleinen vor den großen nicht bestehen. Welches ist diese Maßregel? Alljährlich im Monate Tebeth hebt der Livjathan seinen Kopf auf und bläst ins Wasser, wodurch es heiß wird (Hi 41, 23). Alle Fische im Meere erschrecken, fliehen und wagen es nicht, die kleineren anzugreifen11). Auch als der Erzengel Gabriel das Heer Sancheribs verbrannte, erhielt Livjathan die Erlaubnis, alle Flüsse austrocknen zu lassen12). Ein Zeichen seiner Kraft ist auch, daß er manchmal besonderen Hunger verspürt, obwohl die Vorsehung dafür sorgt, daß sich ihm Fische, wie der, der den Propheten Jonah verschlang, zur Verfügung stellen, sobald ihre Zeit da ist, um vom Livjathan verzehrt zu werden. So oft er nun dennoch hungrig wird, bläst er, und von diesem Hauche werden alle Ozeane siedend heiß. Zum Glück legt er in solchem Fall den Kopf in den Garten Eden, da sonst kein Geschöpf vom üblen Geruch seines Hauches bestehen könnte. So aber macht er ,.das Meer zu einem Salbentopf" (Hi 41, 23), weil er den Duft des Eden aushaucht. Wenn er Durst hat, zieht er tiefe Furchen im Meere. Zwar trinkt er allein das ganze Wasser aus, das im Jordanbett herabfließt und sich mit dem Meerwasser nicht vermischt, es scheint aber nicht immer zu genügen. Bei Heißhunger pflegt er sich auch mit einem schlauen Mittel Nahrung zu verschaffen. Er wirbelt das Meer auf, da eilen die Fische herbei, weil sie glauben, es gäbe manchen guten Bissen. Diese Gelegenheit benützt er, um seinen Appetit zu befriedigen. Er hält sein Maul offen und verschlingt die dahineilenden Fische. Und dieses mächtige, unbezwingbare Ungetüm fürchtet sich vor einem winzigen Tierchen, das Kilbith oder Kilkith heißt. Denn es kriecht ins Ohr der großen Fische und verursacht dadurch ihren Tod13). Der Livjathan begnügt sich nicht mit Größe und Kraft, er

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