Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JIDDISCHE THEATER IN NEW YORK 11 wahnsinnigen Eifersuchtsanfalle seine Stiefmutter und sich selbst zu erstechen. Die Kunst Adlers, des„Kainz'"der jiddischen Bühne, in der Wiedergabe der einzelnen Phasen in dem dämmernden Geistesleben des Idioten stellte ihn nach dem Urteil fachmännischer Augenzeugen mit den größten Tragöden der Welt auf eine Stufe. Bemerkenswert ist übrigens das Interesse, dem gerade das Hamletproblem im Ghetto begegnet. Tomaschewski hat „Hamlet" auf die Bühne gebracht. In dieser Rolle fand sein Monolog „Sein oder Nichtsein" anfangs von vielen unter den Zuschauern den wenig ermunternden Zuruf ,,Oj es soll nischt san!" Im East End, dem Hauptwohnsitze der jüdischen Bevölkerung Londons, wurde „Hamlet" in einer lokalen Bearbeitung unter dem Titel „Prinz Ismael" aufgeführt. Das Werk des „Schwanes vom Avon" erhielt in der Adaptierung zugleich einen starken sozialistischen Einschlag. Die Handlung ist in die Zeit der babylonischen Gefangenschaft der Juden verlegt und die Ähnlichkeit mit den Verhältnissen im zaristischen Rußland wird in dem Drama stark betont. Der erste Akt entfernt sich fast gar nicht vom Original: Prinz Ismael ist der Sohn des Königs eines noch nicht unterjochten jüdischen Stammes; der Vater Ismaels ist von seinem eigenen Bruder mit Hilfe der Mutter Ismaels ermordet worden. Im zweiten Akte bemüht sich Ismael, den Tod seines Vaters zu rächen und sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft zu befreien. Er