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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 4 (sequence 10)
Language
German
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4 MITTEILUNGEN ZUR «JÜDISCHEN VOLKSKUNDE Leuten, für deren Mission im europäischen Osten als deutsche Kulturträger ich erst bei dieser Gelegenheit Respekt gewann, ist mir klar geworden, was auch hellenisches Schauspiel einst gewesen sein muß, so lange es Gottesdienst war, und dieser Eindruck steht mir in mehr als einer Hinsicht ebenbürtig neben so außerordentlich religiösen Eindrücken wie dem des Kölner Doms oder dem der erhabenen Ruinen Pästums." vJanz analog der allgemeinen Entwicklung des Dramas ist auch, wie jetzt bei J. Schipper, Geschichte des jüdischen Theaters, Band 1, nachgelesen wTerden kann, das jüdische Theater aus einem Unternehmen religiösen Charakters hervorgegangen. Purimspieler waren es, die sich in Wien, Holland und anderwärts zu Truppen vereinigten, die auch sonst im Laufe des Jahres Vorstellungen gaben. Von jüdischen Schauspielern aus älterer Zeit ist Alityrus bekannt, den Sienkiewicz in seinem „Quo vadis" zum Freund und Begleiter Neros macht, von dem wir jedenfalls aus der jüdischen Geschichte wissen, daß er sich seiner bedrängten Brüder in Palästina mit Erfolg am kaiserlichen Hofe angenommen hat. Aus derselben Zeit stammt das Grabmal der jüdischen Schauspielerin Faustina in den Katakomben Roms. Nach Jahrhunderten begegnen uns dann jüdische Schauspieler an den Höfen der Herzoge von Mantua und Ferrara, unter ihnen eine Schwester des berühmten Komponisten Salomone Rossi. Ein Jahrhundert später (1690) hören wir von einer jüdischen Sängerin Brentgen Marcus, die vom Berliner Hofe ausgebildet wird. 1784 bildete sich in Amsterdam aus Dilettanten ein jüdisches Öpernensemble. Mit großem Erfolge führten sie „Ninact von Dalairac auf. Sie wurden zum Geburtstage des Erbstatthalters nach dem Haag berufen und für ihre Leistungen reichlich belohnt. Als 1793 der Krieg ausbrach und alle Theater, so das französische und das deutsche, eingestellt wurden, gestattete der Bürgermeister diesen jüdischen Künstlern, wenigstens alle 14 Tage Vorstellungen zu geben. Sie führten in Holland Mozart ein („Figaro", ,,Entführung" und „Cosi fan tutte"). 1794 durften sie vor der Prinzessin von Oranien gastieren. Ein jüdischer Landsmann des großen Kean, der übrigens der Sohn eines jüdischen Vaters war, John Braham (aus Abraham), hatte l) Ähnlich schildert Jökai in „Zoltän Karpäthi" die Eröffnung des ungarischen Nationaltheaters: ,,In dieser lautlosen Stille lag die Würde eines sich selbst achtenden Volkes."

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