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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 575

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 575 (sequence 33)
Language
German
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SCHNORRER 575 gesehen. Da war unter ihnen der „Fistelsänger", der „Darschener", der „Moschiach". Der „Fistelsänger", der auch an Schabbos „in Schul" vorbetete, trug, als Gast zu Mittag geladen, ein rührendes Lied von dem „Sihn, dem man genimmen zu de Seiner" vor. Der „Darschener" predigte „in Schul" über „Gemillus chassodim" (Wohltätigkeit) ungemein fesselnd. Seine Rede wurde durch Anführung zahlreicher „Mescholim" (Gleichnisse) so lang, daß er den „Oilem" (Gemeinde) bitten mußte, sich zu Mincho wieder zur Fortsetzung einzufinden. Und pünktlich stellte sich alles, auch Frauen, wieder ein. Der „Reb Moschiach" war ein großer hagerer Mann mit schneeweißem Bart, im ganzen von sehr würdigem Aussehen. Seine Augen waren von buschigen Augenbrauen beschattet, ein Zeichen der „Gemore-Lerner". Er trug einen langen Rock (Schubize) aus Wollatlas, auch an Wochentagen mit einem rotgeblumten Taschentuch als Leibbinde umgürtet, und, selbst im Sommer, einen mit Pelz verbrämten Rabbinerhut, das sogenannte Stramel. Meist kam er gegen Ende der Woche, um über Schabbos im Städtchen zu bleiben. Er kehrte bei unserem sehr würdigen Lehrer Reb Mordche ein, der zugleich Kantor und Schauchet war. Mit ihm konnte er „Tauro schmießen". Am Freitagabend wurde er von einem „Balbos", der sich die Erlaubnis hiezu erst von Reb Mordche erbitten mußte, als „Orech" (Gast) eingeladen. Meist mußte Reb Moschiach dann über den ganzen Schabbos dort verbleiben, wo er am Tische den Ehrenplatz neben dem „Balbos" einnahm. Kam er in ein Haus, in dem man „lernen" konnte, so wurde ein gelehrtes Gespräch abgeführt, bei schlichten Leuten, wo er nicht wie bei den Reichen im Geiste Goldgeld einwechseln konnte, ließ er kleine Münze kursieren, erzählte er erbauliche Geschichten. Eine dieser Geschichten, die der Moschiach mit genauer Angabe von Ort und Personen wiedergab, ist mir in Erinnerung geblieben. Sie1) lautete: „In a klan Mokem2) hobben gelebt viellacht 2 Minjen Jiden in hobben sech schlecht in recht dernehrt. Der Ssrore3) für diese Stadt is gewen a Ssoile we-Ssoiwe4) in hot immer auf groißem Fuß gelebt und esoj knapp an Geld gewejn. Es is emol gewejn um de Zat vin ejre Post (Fasten), wo die Gojim sennen schlecht zi redden ouf die Jiden, hot der Gospodarz (Inspektor) zi dem Ssrore gesugt, wal er gemorken hot, daß der Ssrore Geld gebroucht, er soll verlangen 10.000 Slotes (Gulden) vin die Jiden, sunst wet er sej aroustraben vin sane Giter. Hot derSsrore geloßt demParnes5) rifen in gesogt: „Wenn ihr Jiden af mane Giter wojnen wellt, mißt ihr mir bis Schwentes Wielkanotz

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