Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 574

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 574 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2638044-2638109-2638110--3162-2641374
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nach einer Radierung von Lionel S. Reiß (New York) SCHNORRER Nach Angaben von M. A. (1898) Von Dr. M. Grunwald In meinem westpreußischen Heimatstädtehen, dicht an der preußischpolnischen Grenze, erschienen fast täglich die sogenannten polnischen Schnorrer. Sie zerfielen in mehrere Kategorien. Da waren zunächst die Professionsschnorrer. Sie kamen in Trupps von fünf bis zehn Personen, Männer, Frauen, Kinder, auch Säuglinge. Sie gingen in jedes Haus, an dem eine Mesusa zu sehen war, und holten sich ihre Gabe, die nie mehr als zwei Pfennige betrug. Dann kamen die sogenannten „verschämten". Der eine hatte „a Tochter auszugeben", ein anderer „a Sihn von de Seiner (Soldaten) loszukaufen", einem dritten war die Habe verbrannt oder gestohlen worden, dem vierten hatte man sein ganzes Gut beim Schmuggel konfisziert usw. Obwohl diese Leute schon seit 20 Jahren mit derselben Vorspiegelung kamen und man wohl wußte, daß sie nicht Jahr für Jahr hintereinander 20 Töchter zu verheiraten oder 20 Söhne loszukaufen hatten, erhielten sie doch ihre „Nedowe". Ja, sie wurden zum Teil recht gern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.