Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128 — Reuben, der ihn ja retten wollte, seinen Brüdern raten können, ihn dieser Qefahr auszusetzen, wenn er mit den Brüdern die Schlangen in der Grube wahrgenommen hätte.79) 37 25 Und sie setzten sich, Brot zu essen —, doch entfernt, um Josephs Hilferufe nicht vernehmen' zu müssen. Da kam ein Zug Ismaeliten aus Gilead, und ihre Kamele trugen Balsam, Gewürze und Lotus, deren Wohlgeruch Joseph auf seinem Zuge nach Mizraim erquicken sollte.80) 37 27 Und die Brüder gehorchten dem Jehuda, der ihnen geraten, Joseph zu verkaufen. Sie kannten die Bestimmung der Nachkommen Jakobs, die ihnen auferlegte, Sklavendienste in Mizraim verrichten zu müssen, und glaubten mit der Knechtschaft Josephs das Verhängnis erfüllt.81) 37 28 Verschieden sind die Ansichten und Auslegungen über den Verkauf Josephs und seine Übermittlung an Potiphar. Die Brüder verkauften ihn an die Ismaeliten, diese an die Midjaniten, und von diesen ward er nach Mizraim gebracht. — Nach anderen zogen ihn die Midjaniten, seine Hilferufe hörend, ohne Wissen der Brüder aus der Grube, und diese verkauften ihn in Gemeinschaft mit den Ismaeliten an Potiphar. Dafür spricht die Erzählung der heiligen Schrift: „Die Midjaniten verkauften ihn nach Mizraim" (37 se), und später: „Potiphar kaufte ihn von den Ismaeliten". Der dem widersprechende spätere Ausspruch Josephs: „Ich bin Joseph, den ihr nach Mizraim verkauft", lässt sich deuten, dass sie seine Unterbringung nach Mizraim unwillkürlich veranlasst hatten. Nach dieser Auslegung glaubten auch die Brüder selbst, dass ihn ein wildes Tier zerrissen habe. Dafür spricht auch der Vorwurf, den später Jehuda seinen Brüdern machte: „Sein Blut wird jezt gefordert" (42, 22). — Eine andere Deutung: Potiphar argwöhnte, Josephs edles, vornehmes Wesen beachtend, dass ihn die Midjaniter, von denen er ihn gekauft, irgendwo geraubt haben könnten. Er stellte sie deshalb zur Rede, und diese brachten die Ismaeliten zu Zeugen, dass sie ihn rechtmässig erworben. — Bücherschau. Der Pinkas. Jahrbuch for der geschiente vun der jüdischer literatur un sprach, for folklor, kritik un bibliografie. Erster jahrgong 5672. Wilna, Kletzkin, 5673. IV + 412 + 685. 4°. 2,50 Rubel. Man mag verschiedener Meinung über das Jüdische, seine Ziele und Lebensberechtigung sein, jedenfalls muss seinen Verfechtern die Anerkennung gezollt werden, dass sie in letzter Zeit eine ausgedehnte und sehr beachtenswerte Tätigkeit entwickelt haben. Auch der vorliegende Pinkas, der nach äusserer Ausstattung seinem Verleger Ehre macht, ist ein bemerkenswertes Erzeugnis dieser Gattung. Der Herausgeber S. Niger hat es verstanden, einen Kreis von Mitarbeitern zu gewinnen, die dem Jahrbuch dem geplanten Charakter voll und ganz verliehen haben. Es sind in ™) Raschi und Bech. 80) Bech. 81) Bech.