Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2638044-2638104-2638108--1629-2641340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 129 — diesem Pinkas alle Literaturgattungen (ausser Belletristik) vertreten. Besondere Freude wird die Philologe und Folklorist an der Beilage von Borochow haben, die den ersten Teil einer „Bibliothek vun'm jüdischen Filolog" enthält und 501 Nummern zählt. S. Weissenberg. Wittels F., Über den Tod und über den Glauben an Gott. Wien 1914, Moritz Perles. K. 2,50. In lichtvoller Darstellung wird unter Berufung auf die biblische Erzählung vom Südenfall das Schreckliche am Tode in der Angst vor dem Tode aufgedeckt. Diese Angst sei nur durch eine grosse, wahre Liebe zu überwinden, eine Liebe „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen." Das Judentum des Pentateuchs kannte diese Angst nicht, jedenfalls „kann sie nicht allzu gross gewesen sein." Es sind Gedanken, die zum Nachdenken anregen. Auch die zweite Rede „über den Glauben an Gott" mit ihrer Betonung des mystischen Charakters dieser Liebe dem schalen Rationalismus gegenüber enthält sehr beachtenswerte Bemerkungen. M. Fr. Frank, Der Ritualmord, 2. Aufl., Regensburg 1901, Nachträge 1902, G. J. Manz. Das seinerzeit viel besprochene Buch des im Dienst der Abwehr verleumderischer Anklagen gegen das Judentum bewährten Verfassers hat durch Ereignisse der jüngsten Zeit wieder aktuelle Bedeutung erhalten. Mit der Würde unanfechtbarer Wahrheit bietet Frank, der katholische Pfarrer, das gesamte, wohlgeordnete Rüstzeug zur Vernichtung des abscheulichen Ritualmordwahnes. Man erschrickt ordentlich, wenn man aus seiner übersichtlichen Zusammenstellung erst so recht gewahr wird, wie viel Köpfe dieser Hydra mitunter in einem einzigen Jahre gewachsen sind. Sehr wirkungsvoll sind („Nachträge" 20) die Gegenüberstellung des päpstlichen Glückwunsches zur Zerstörung Magdeburgs 1631 und der Trauer des jüdischen Volkes um die im Roten Meer ertrunkenen Ägypter und so noch viele andere nebenher eingeflochtene Einzelheiten. L. W. W. Graf Baudissin, Zur Geschichte der alttestamentliehen Religion in ihrer universalen Bedeutung. Berlin 1914, Georg Stilke. Mk. 1.—. Das Aufsehen, das diese beiden Berliner Rektoratsreden seinerzeit erregt haben, findet man beim Lesen durchaus begründet. Als die wichtigste Quelle für die Religion Israels wird seine volkstümliche Veranlagung bezeichnet. Gerade dieser Charakter als Volksreligion prädestinierte sie zur Universalreligion. Das Wort des Psalmisten: „Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde", stellt „eine Höhe der religiösen Auffassung dar, die sich nicht mehr überschreiten lässt." Das Gebot: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst" hat „für das Verhalten der Mitwelt gegenüber einen ethischen Grundsatz ausgesprochen, der, in seinem vollen Sinne verstanden, eine Steigerung nicht erfahren kann." Mit einer feinen Warnung vor den Abwegen des Nationalismus wird in der höchsten Steigerung des Nationalen die reinste Darstellung des Menschlichen erblickt. L. Annette von Droste-Hülshoff, Die Judenbuche. Mit 22 Bildern von R. Andre. München 1914, Carl Schnell. Mk. 1.—. Das berühmte Buch der bedeutendsten westfälischen Dichterin empfiehlt sich, zumal in dieser geschmackvollen Ausstattung, vortrefflich besonders als Jugendlektüre. M.