Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 127 — 3714 Er sandte ihn vom Tale Chebron. Wie konnte Jakob, der von der Feindschaft der Brüder gegen Joseph wusste, den geliebten Sohn einer solchen Gefahr aussetzen? Es war ein Rat des Allerhöchsten, der das Schicksal seines Stammes hiermit in Kraft treten liess, wie er es einst dem in Chebron schlummernden Abraham verkündet hatte. Zudem fürchtete Jakob, dass seine Söhne, da sie länger als gewöhnlich auf ihre Rückkehr warten Hessen, mit den Bewohnern Schechems in Streit geraten wären.73) 3715 Es fand ihn ein Mann auf dem Felde umherirren, und der Mann fragte ihn: Was suchst du? Der Mann, so erzählt der Midrasch, war der Engel Gabriel, von dem es heisst: „Und der Mann Gabriel". Dies lehrt auch die aussergewöhnliche Tatsache, dass der Begegnende den Verirrten fragte, was er suche, anstatt, dass nach der gewöhnlichen Weise der Verirrte nach dem Wege sich erkundet. Auch erkannte ihn Joseph sogleich als ein höheres wissendes Wesen, indem er ihn fragte: „Sage mir doch, wo sie weiden," die Auskunft also mit Bestimmtheit erwartend. 37 iß Und der Mann sprach: Sie sind von hier weggezogen. Sie haben sich der brüderlichen Gefühle enthoben. „Mizzeh" von „zeh" im Zahlenwort von zwölf —, sie achten dich nicht mehr als einen der zwölf Brüder, die vereint und freundlich miteinander gehen wollen. Doch Joseph, der den Befehl seines Vaters im Auge hatte, ging dessenungeachtet, sie aufzusuchen.75) 371S Sie fassten den Entschluss, ihn umzubringen, doch wollten sie sich nicht selbst mit seinem Blute beflecken und hetzten Hunde auf ihn, die ihm jedoch nichts anhaben konnten.76) 37 20 Und nun, da er den Hunden entkommen ist, lasst uns ihn selbst töten. Und die Vorsehung, die Joseph noch zu grossen Dingen bestimmt, sprach: dann wollen wir sehen, was aus seinen Träumen wird.77) 37 21 Reuben sprach: Wir wollen nicht töten, lasst uns kein Blut vergiessen. Reuben wusste, dass, wenn er sich freudig auf Josephs Seite gesteilt hätte, er sie von ihrem bösen Vorhaben nicht hätte abbringen können. Darum warnte er sie im allgemeinen vor dem Morde, den der Richter der Welt niemals ungeahndet lässt. Er sagte deshalb: „Wir wollen keine Seele erschlagen", nicht „Wir wollen ihn nicht erschlagen", ferner: „Vergiesset kein Blut", und nicht: lasst uns sein Blut nicht vergiessen. Reuben, als der älteste, hielt sich seinem Vater gegenüber besonders verpflichtet, das Leben Josephs zu schützen.78) 37 24 Die Grube war leer, kein Wasser darin, doch hielten sich Schlangen darin auf, die die Brüder nicht gesehen hatten, da die Schlangen in ihren Höhlen verborgen waren. Sie hätten ihn ja nicht dem Bisse der Schlangen ausgesetzt, ihn nicht dem Tode preisgegeben, zudem hätten sie ihn nicht verkauft, wenn sie inne geworden wären, dass die Schlangen ihn verschonten und Gott ihm also seinen besonderen Schutz angedeihen liess. Und wie hätte. 73) Raschi z. St. 74) Raschi u. Bech. 75) Bech. 7e) Bech. z. St. 77) Bech. z. St. 78) Bech. z. St.