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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 4 (1914) · p. Seite 126

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
4 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 126 (sequence 30)
Language
German
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— 126 — befeinden sollten. Da Gott ihm durch den Traum sein zukünftiges Schicksal bestätigt, sollten sie es als eine göttliche Fügung betrachten und ihn wegen der Vorliebe Jakobs für ihn nicht ferner hassen.66) 37 7 Und siehe, wir banden Garben, und es umringten eure Garben die meinigen und bückten sich vor ihr. Sie sträubten sich gleichsam, ihre Unterwürfigkeit vor Josephs Garben zu zeigen, mussten jedoch endlich dem Zwange einer höheren Bestimmung sich fügen. Der Traum deutet auf die Begegnung der Brüder mit Joseph in Mizraim, wo sie zur Errlangung des Getreides sich vor Joseph bückten. Seine Brüder sprachen zu ihm: Willst du denn König sein über uns? Die Vorsehung legte die für Josephs glorreiche Zukunft so bedeutsame Deutung in den Mund der ihm feindlichen Brüder.67) 37 9 Sonne, Mond und elf Sterne bückten sich vor mir. — Verschieden ist das Wesen der beiden Träume. Den Traum der Garben, dessen Deutung sich auf die erste Begegnung der Brüder in Mizraim bezieht, erzählte er nur seinen Brüdern, weil seine Verwirklichung nur diese anging. Die Brüder sahen, als sie zum ersten Male nach Mizraim kamen, in Joseph nicht den Herrscher, der ihr zukünftiges Schicksal umgestalten sollte, sondern nur den Spender der zur leiblichen Wohlfahrt notwendigen Nahrung, daher das materielle Bild der Garben und der Bezeichnung „sie bückten sich" — nicht vor mir — sondern „vor meiner Garbe". Den zweiten Traum jedoch, der sich in der Übersiedelung Jakobs mit seiner Familie nach Mizraim und der zweiten Begegnung mit Joseph darstellt, erzählte er auch dem Vater, weil auch er und seine Pflegemutter Bilha zu seiner Verwirklichung beitragen mussten. Daher auch hier: „sie bückten sich vor mir", weil bei dieser zweiten Begegnung alle sich vor i h m, dem königlichen Bruder und Sohn, der Hoffnung ihrer Zukunft, sich freudig bückten. Und in das erhabene Bild der Himmelskörper ist der Traum eingekleidet, weil die zweite Begegnung die hohe Sendung der Söhne Israels anbahnte.68) 37 io Sollen ich und deine Mutter kommen? — Ihr habt nicht Grund, sagte Jakob zu den Brüdern, ihn des Traumes wegen zu hassen, denn, da seine Mutter Rachel gestorben ist, ist auch des Traumes Verwirklichung unmöglich geworden.69) 37 ii Doch sein Vater merkte sich die Sache. Er schaute mit prophetischem Geiste, dass die Sonne auf ihn selbst, der Mond auf seine Pflegemutter Bilha deute.70) 37 12 Die Schafe ihres Vaters in Schechem zu weiden. Das Wort „eth" ist mit Punkten versehen, die bedeuten, dass sie, um sich selbst gütlich zu tun, die Arbeit des Schafweidens vorschützten.71) 37 i3 Joseph antwortete seinem Vater, der ihn aufforderte, nach dem Wohle seiner Brüder sich zu erkundigen: „Hier bin ich." Ich bin bereit, deine Befehle auszuführen, obwohl meine Brüder mir feind sind und mir zu schaden suchen werden.72) 66) Bech. z. St. °7) Bech. z. St. 68) Bech. z. St. 69) Raschi z. St. 70) Bech. z. St. 71) Raschi z. St. r2) Raschi z. St.

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