Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 112 — hier in der Residenz München zusammen kamen, um uns über diese wichtige Angelegenheit zu berathen: so haben wii einmütig beschlossen, mehrerwähntes Kapital, so weit als möglich, für immer nach den weiter unten beschriebenen Bedingungen und Einrichtungen auf festem Grunde zu erhalten. ... Möge uns der Allgütige beistehen, dass wir zum Seelenheil unserer frommen und seligen Voraeltern unser gutes Vorhaben ausführen können. Nach allen Mühseligkeiten und Beschwerlichkeiten, die wir seit mehr als zwei Monaten hier in München auszuhalten hatten, begannen wir damit, genau zu erwägen, wie dieses Kapital Bestand haben könne, und wir sind nun der Sache auf den Grund gekommen und habeji uns mit unseren Verwandten, den Erben meines Vaters und unseres Onkels, des seligen Herrn WolfWertheimer, dahin geeinigt und eingewilligt, dass sie uns, statt jener hundertundfünfzigtausend Gulden Wiener kurrent, welche eigentlich besagtes Kapital sind, Papiere zum immerwährenden, vollkommenen Besitze geben sollen, mit schriftlicher Ception, unterzeichnet von gedachten Erben, auf unsern endesunterzeichneten Namen, als: Samson Wertheimer Erbenstiftung dermalige Administratoren, und mit diesen Worten müssen die Papiere eingeschrieben auf unseren endesunterzeichneten Namen, bei der hochioeblichenSchuldenwerks-Buchhalterei sein, wie gewöhnlich, mit Vormerkung, damit es giltig ist, bis alle gedachten Papiere bezahlt sind. Um nun noch bedeutender zu vermehren und ganz pflichtgemäss zu handeln, da es unmöglich war, gedachtes ewiges Kapital ganz baar zu bezahlen, haben unsere Verwandten, die endesunterzeichneten Herren Samuel und David Wertheimer, mit hinlänglicher Vollmacht von ihren übrigen Brüdern versehen, eingewilligt, dass das Haus, worin jetzt die Klause und die Synagoge ist, in Frankfurth, welches unser Grossvater, der Rabbiner Herr SimsonWertheimer, hierzu stiftete und welches hernach als Erbteil in die Hand meines Vaters und unseres Onkels, des Herrn Wolf, und seines Bruders, des Herrn Josel Wertheimer kam, da die anderen Erben darüber quittierten, wie bekannt, — dass dieses Haus für ewige Zeiten bei seiner Bestimmung als Schule und Synagoge bleibe, wie gedacht, und dass kein Erbe aus unserer Familie, er sei wer er wolle, irgend eine Forderung an diesem Hause haben soll, welches für immer der Ausübung unserer heiligen Religion geweihet sei nach der frommen Absicht dieser trefflichen Männer. Die achtzehntausend Gulden Reichsmünz, die uns, wie gedacht, nach den nöthigen Ausgaben, übrig bleiben, sollen, mit Einstimmung der Endesunterzeichneten, sicher gestellt werden, und diese sollen den Ertrag davon an Schulen und verarmte Arme auszahlen, wie weiter unten erklärt wird. Nun aber kommen wir wieder zurück. Wir sehen ein, dass die Zinsen von dem braven Gelde von achtzehntausend Gulden, sowie auch die Interessen von den verzinslichen Papieren zusammen jährlich nicht hinreichen zur Aufbringung der erforderlichen Summe zur Erhaltung der Schulen, zur Aussteuer der Mädchen, jedes nach seinem Grade, wie es wäre, wenn das ewige Kapital noch baar und in seinem ursprünglichen Zustande da wäre. So aber ist alles unzureichend, bis das Kapital wieder in zunehmender Bltithe sein wird, dass nämlich die Papiere alimählig heimgezahlt werden und dadurch auch die Zinsen zunehmen. Daher haben wir Mittel gesucht und gefunden, Avas zur Zeit zu leisten ist, um zur Beförderung der