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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 4 (1914) · p. Seite 111

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
4 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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— 111 — 'denn sie haben uns verlassen und haben sich auf der Bahn zum ewigen Leben in höhere Regionen emporgeschwungen. Jedoch Mnterliessen sie auf Erden fruchtbare Wurzeln, dass wir ernten können, was sie säeten, Bäume, die Früchte tragen zur Nahrung und zum Heil der Nation, nach dem durchläuterten Worte Gottes. Demgemäss blieb gedachtes Kapital vom Jahr der Welt 5485 (1725) an in der Hand meines Vaters und unseres Onkels, des seligen Herrn Wolf Wertheimer stehen. Durch Veränderungen der Schicksale, die sich in der Zwischenzeit zutrugen, traf die strafende Hand Gottes das Vermögen desselben wie allgemein bekannt. Der grösste Teil des Reichtums, mit welchem ihn Gott früherhin begnadete, wrar nämlich in den Händen seiner churfürstlichen Durchlaucht von Baj^ern, welche nebst vielen andern Summen die erlauchten so hochseligen Aeltern und Vorältern Seiner Durchlaucht ihm schuldeten. Durch schlechte Zeiten und Kriegsjahre verlor dann gedachte Schuld ihre Haltbarkeit, und dieser Biedermann musste zufolge dessen die übernommenen Belastungen fallen lassen, und ohne seine Schuld selbst fallen. Mein mehrerwähnter Vater und unser Onkel gab sich alle erdenkliche Mühe, genanntes Kapital aufrecht zu erhalten und die Zinsen nach Möglichkeit zu vertheilen, so lange die Verbindlichkeit für das Capital auf ihm lastete. Indessen konnten* damals die Zinsen nicht auf sechs Prozent jährlich gebracht werden, und überdies war auch für das Capital zu fürchten, da dieser üble Zustand über dreissig Jahre fortdauerte. Endlich schauete der Ewige, der die Herzen der Regenten lenkt, allgnädig vom himmlischen Wohnsitze herab und erregte den Geist Seiner Durchlaucht, unseres frommen Herrn Churfürsten von Bayern, dass höchstderselbe dessen Herrlichkeit und Thron mögen ewig blühen — den flehentlichen Bitten meines Vaters und unseres Onkels gnädiges Gehör lieh, demselben alle Schulden, welche von den erlauchten Altern und Vorältern Seiner Durchlaucht herrührten, zu zahlen. Sodann erfüllte derselbe seine Verbindlichkeit mit aller Kraft und richtete dadurch viele aus dem Staube empor, wie allgemein bekannt, dass ihm sein Guthaben bezahlt wurde, worunter auch das gedachte ewige Kapital von Hundertundfünfzigtausend Gulden begriffen ist, nämlich in neuen churfürstlichen Papieren, die Haelfte vom 1764 primo Jänner an bis Mai 1779, zu vier Prozent Zinsen jährlich, und die andere Hälfte fängt primo Juli 1779 an und endigt März 1787 unverzinslich. Nun aber gedachter Herr Wolf Wertheimer vor ungefähr fünf Jahren das Zeitliche verlassen und gedachtes Capital von hundertundfünfzigtausend Gulden liegt in der Hand seiner Erben, ganz wie es in früheren Zeiten niedergelegt wurde, — aber statt, dass dieses Capital früher bares Geld war, ist es jetzt in Papieren, deren Zahlung sich auf lange Jahre hinaus erstreckt, wodurch der Nachtheil entsteht, dass der Ertrag der Zinsen nicht hinreicht zur Ausführung der Absichten unserer frommen Vorfahren. Daher haben wir Endesunterzeichnete als Häupter unserer Familien, uns aufgemacht, die Sache wieder emporzubringen und besagtes Kapital für immer aufrecht zu erhalten und festzustellen. Gesegnet sei das Andenken unserer frommen und seligen Voraeltern, die das Gute stifteten und dafür nun in höheren Regionen belohnt werden. . . . Und da nun Gott unsern Geist angeregt, dass wir uns erhoben, im strengen Winter unsere Heimat zu verlassen, und

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