Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — Herrn in Israel, in welchem Gelehrsamkeit und Grösse vereint, als. herrliche Krone seiner Nation, strahlten. Dieser grosse Mann, der selige Rabbiner Herr Samson Wertheimer, führte ruhmwürdige Entwürfe aus, liebte und verehrte die frommen Rabbiner und versäumte keine Gelegenheit, allenthalben Wohltaten zu verbreiten, und besonders die verehrten Diener der Religion zu unterstützen. Mit unsäglicher Mühe und grossem Kostenaufwand errichtete er für ewige Zeiten eine berühmte Schule zur Beförderung und Fortpflanzung der Religion. So edel und wohltätig wirkte der Treffliche hienieden, und nun empfängt seine unsterbliche Seele den Lohn der Tugend in jenen Höhen, unter den Scharen der heiligen Chajoth und Seraphim. Aber auch, als er das Zeitliche verliess, um in den Regionen der ewigen Seligkeit zu wandeln, hinterliess er Segen, eine von Gott gesegnete Nachkommenschaft, herrliche Blüten und Früchte, geschmückt mit mannigfachen Tugenden, ausgerüstet mit: Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, Söhne und Schwiegersöhne, die als gelehrte Rabbiner und als einflussreiche Männer viel Gutes wirken in der Familie und in der bürgerlichen Gesellschaft. Diese wohltätigen Männer richteten ihr Augenmerk auf die Armut, eine Stiftung' zu gründen, als ewige Erbschaft für die Nachkommen, nach dem erhabenen Grundsatze der Religion: „entziehe dich nicht deinen Verwandten" zu bestimmten Zeiten nach Kräften Unterstützung zufliessen zu lassen, als ihren armen Verwandten, sowie auch Beiträge zu geben zur Aussteuer für die Töchter derselben. Diese Männer, welche mit aller Kraft die Nachkommen unterstützen, sind: der Hochedle Rabbiner, der selige Herr MosesKann, unser Vater, Onkel und Grossvater, der selige Herr Wolf Wertheimer, und mein seliger Vater, der berühmte gelehrte Rabbiner Herr Seligmann Cohen in Hamburg, welche die Summe von hundertundfünf zigtausend Gulden kurrent stifteten; gedachter, seliger Herr Wolf Wertheimer stiftete sechzigtausend Gulden, gedachter seliger Herr Löb Wertheimer stiftete dreissigtausend Gulden, der selige Rabbiner Herr Josel Wertheimer stiftete dreissigtausend Gulden, der selige Rabbiner Herr Moses Kann stiftete fünfzehntausend Gulden, und der selige Rabbiner Herr Seligmann Cohen stiftete fünfzehntausend Gulden, zusammen die Summe von Hundertundfünfzigtausend Gulden Wiener kurrent. Diese wohltätige Stiftung bewahre die Seele unseres seligen Grossvaters des Herrn Samson Wert heimer, die herrliche Krone des ewigen Ruhmes. Erwähnte hundertundfünfzigtausend Gulden kurrent, welche gedachte Erben stifteten, sind von dem Erbteil, welches ihnen von unserem Grossvater, dem gedachten seligen Rabbiner Herrn Samson zuteil wurde. Sie haben dieses Kapital meinem Vater und unserem Onkel, dem seligen Herrn Wolf Wertheimer, eingehändigt, gegen Zinsen, auf die erlaubte Weise zu sechs Prozent jährlich, und zwar, dass diese Zinsen halbjährlich ausgezahlt werden sollen, davon Schulen zu unterhalten zur Verbreitung und Beförderung der Religion wie auch zu verteilen unter arme Verwandte unseresseligen Grossvaters in ganz Deutschland, Böhmen, Mähren, Ungarn u. a. m. Jedem, was auf seinen Teil kommt nach dem Grade seiner Verwandtschaft- Nicht das Mindeste ist an unseren frommen Voreltern zu tadeln, aber wir haben an ihnen einen hienieden unersetzlichen Verlust erlitten,.