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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 4 (1914) · p. Seite 105

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
4 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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— 105 — äugig) um keinen Preis als solches in Betracht kommen. De-halb scheint mir meine Erklärung mehr der Wahrheit zu entsprechen. Bemerkenswert ist der Umstand, dass in unserem Verzeichnis sehr oft hebräische Familiennamen vorkommen. Ohne die biblischen Namen in hirer reinen Form (Daniel, Elias, Menasche, Meschullam, Elißcha, Jussuf) und die von ihnen abgeleiteten, deren es ziemlich viele gibt, mitzurechnen, haben wir bei den Karäern 14 und bei den Krimtscharen 12 hebräische Familiennamen, die eine Beschäftigung (Rofe, Zoref, Schamasch) oder persönliche Eigenschaft (Bocher, Gibbor, Efet [Ewed], Chacham) bezeichnen. Die Benennung der Feste, Pessach (wird auch bei russischen Juden und sonst als Name gebraucht) und Purim, werden bei den Krimtschaken als Familiennamen verwendet. Der Mangel an entsprechenden Untersuchungen der anderen jüdischen Gruppen beraubt uns der Möglichkeit, die Häufigkeit der hebräischen Familiennamen unter den anderen Gruppen festzustellen. Diese Erscheinung erlaubt jedoch, den Schluss zu ziehen, dass die hebräische Sprache bei den Krimtschaken noch im Gebrauche ist. Hinsichtlich der Familiennamen ist noch eine sonderbare Sitte bei den Krimtschaken zu erwähnen: Man ruft sie nämlich zur Thora nicht nur mit dem Vornamen, sondern auch beim Familiennamen auf, was auch bei uns vorkommt, aber nur in dem Falle, wenn die Aufgerufenen Kohen oder Levi sich wirklich so nennen. Aber so wie bei uns die Kohanim und Leviten auch als Träger anderer Familiennamen in der Synagoge ausdrücklich als solche bezeichnet werden, womit auf ihre Herkunft hingewiesen wird, so gibt es auch bei den Krimtschaken eine grosse Gruppe von Personen, die einen besonderen synagogalen Beinamen, ausser dem im gewöhnlichen Leben gebrauchten, führen. Wenn wir diese Beinamen näher untersuchen, sehen wir auch hier den Wunsch zu Tage treten, das Andenken an die Herkunft der Personen zu bewahren. So werden alle Personen aschkenasischer Herkunft im synagogalen Gebrauch als „Aschkenasi" bezeichnet. Ausserdem sind noch folgende synagogale Familiennamen gebräuchlich: Bakschi (sehr alt) für Rafailoff und Tomalak^ Kokos für Purim, Tabon für Karakos Schalom — für Meteschewitsch, Tabon und Tauktschi. Es ist möglich, dass es noch andere Kombinationen gibt, aber die erwähnten sind schon genügende Belege für das Vorkommen der Familiendoppelnamen bei den Krimtschaken, wobei der zweite Beiname nur synagogalen Gebrauch findet, obgleich er auch selbständig vorkommt. Hier ist es wohl am Platze zu bemerken, dass die Kohanim sehr selten unter den Krimtschaken und umgekehrt sehr oft unter den Koräern vorkommen. Ein Teil der Kohanim unter den Krimtschaken, wie z. B. Samoilowitsch und Varschawsky, sind sichtbar russischer Herkunft. Die Lewiten zeigen das umgekehrte Bild: sie sind selten unter den Karäern und häufig bei den Krimtschaken, wo ausser den „Lewi" zu den Leviten noch die Familien: Bentowin, Gurdji, Kujundji, Peretsch, Urilewitsch und Tschachtschir gerechnet werden. Namenverzeichnis: Die Erklärung der Zeichen und Abkürzungen im Namenverzeichnis (nach dem russischen Alphabet geordnet). Ein Buchstabe in [ ] bezeichnet, dass derselbe mit dem vorhergehenden abwechselt; z. B. Asch(tsch)kinasi — Aschkinasi und Atschkinasi,

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