Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 104 — Rebi (Lehrer), Saraf (Geldwechsler), Saratsch (Riemer), Tauktschi (Vogelhändler), Chafus (Gelehrter), Chacham (Gelehrter), Chekim (Arzt), Schamasch (Synagogendiener). Aus diesem langen Verzeichnis ist zu ersehen, dass unter den Krimtschaken auch Beamte (Aga, Kaja, Tschawasch) und Soldaten (Bairaktar) waren, zweifelhaft ist aber, ob sie Rang und Titel (Pascha, Mursa, Chodjasch) erlangt haben. (Darf man nicht in den letzteren auf andere Weise erlangte Beinamen sehen?) Auf die landwirtschaftliche Beschäftigung weisen hin die Familiennamen: Baldji, Koitschu, Penerdji, Tauktschi, Tschaban. Ausschliessliche Beschäftigung mit Handel deuten an der Beiname Endose (Arschine) und der Familienname Telal (Vermittler) oder vielleicht auch Duvan (Zollbeamter). Derjenige, der einen gewissen Wohlstand erlangt hatte, wurde Sengin (reich) genannt, dann wurde er zum Saraf (Geldwechsler, Bankier) und manchmal auch zum Bevollmächtigten in den Finanzgeschäften des Chans. So wird wenigstens der Familienname Neumann erklärt, der vom hebräischen: neeman abgeleitet wird. Die Achtung wurde nicht nur durch Geld erlangt, sondern auch durch Herkunft und wissenschaftliche Verdienste. So verewigten diese Umstände die Nachkommen der Ahroniden und Leviten (Kohen, Levi), sowie auch die Repräsentanten der freien Berufe (Atter, Rofe, Sofer, Chekim, Chafus, Chacham) in ihren Familiennamen. Besonders geachtet wurden auch, die eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen haben. Man nannte sie nach mohammedanischem Brauche (Chadji) entweder Jeruchadji oder einfach Jeru. Daraus, dass solche Familiennamen nur den Karäern eigen sind, ist wohl auf das wirkliche Vorhandensein einer solchen Sitte zu schliessen, die den Orthodoxen fremd war, indem diese nach Palästina nur mit dem einzigen Wunsche streben, dort ihr Leben zu beschliessen. Die Übernahme von Gemeindepflichten stand ebenfalls in Ehren, worauf die Familiennamen Gabbai (Vorsteher der Synagoge) und Rebi (Rabbiner, Lehrer) hinweisen. Die jüdische Gemeinde ist natürlich undenkbar ohne Pächter der Fleischsteuer (Gabeledji). Bemerkenswert sind noch zwei Familiennamen, die von Frauenberufen herrühren, nämlich Uwanai (Hebamme) und Emisik (Amme). Wir sehen bei den Karäern, dass viele Beinamen in Familiennamen sich verwandelt haben, und das ist die dritte Erklärung der grösseren Zahl und Mannigfaltigkeit der karäischen Familiennamen im Vergleich zu denen der Krimtschaken, wie schon einmal im Anfange erwähnt wurde. Die detaillierte Untersuchung der Beinamen kann uns nichts Besonderes zeigen, was für diese Gruppen charakteristisch wäre. Wer sich hierfür interessiert, findet die entsprechenden Erklärungen im Namenverzeichnis.' Ich will nur erwähnen, dass das Vorherrschen der Beinamen als Familiennamen den karäischen Familiennamen dieses tatarische Gepräge gibt, von dem schon früher die Rede war. Möglich, dass diese Erscheinung in Verbindung mit dem lebenslustigen Charakter der Karäer zu setzen ist, die mehr zum Scherz geneigt sind. Der Familienname „Karakos" lässt übrigens die Annahme zu, dass die Karäer, wie die Krimtschaken, einst unter ihren Nachbarn, den Tataren, als Spassmacher auftraten. Das im Orient so beliebte Marionettentheater, welches während des Festes Ramasan die häufigste Zerstereuung bietet, heisst nämlich „Karagesu. Wenn „kokos" (blauäugig) im Süden als Unterscheidungsmerkmal zum Beinamen dienen kann, so kann „karakos" (schwarz-