Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mangup 1× ep/1464299
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— 103 — nähme sich eher den Krimtschaken als den Karäern anschloss. Die Ursache ist darin zu suchen, dass die Juden, wie jede Glaubensgemeinschaft, immer ihre Sektierer verschmähten. Von Interesse ist es noch, genau das Verhältnis der beiden Gruppen zu ihrem Heimatlande zu untersuchen, insofern es in den Familiennamen seinen Ausdruck findet. Wenn wir die zweifelhaften Kokosen nicht mit hinzurechnen, begegnen wir unter den Krimtschaken nur Mangupli (aus Mangup in der Krim). Hingegen haben wir bei den Karäern ausser Kirimi und Krim, die auf die Krim überhaupt hinweisen, noch Balakai, Kefeli, Mangubi, Charsun, Tschabak. Diese Erscheinung ist schwer zu erklären, da die jetzige Zerstreutheit der Krimtschaken und die in der alten Krim und Theodosia entdeckten Synagogen dafür sprechen, dass die Krimtschaken noch im Altertum auf der ganzen Halbinsel wohnten. Deshalb ist darin wrohl nur ein reiner Zufall zu sehen. Die Familiennamen ermöglichen es uns aber, ausser den schon berücksichtigten ethnischen Zusammenhängen auch noch in die sozialen und kulturellen Verhältnisse der Krimtschaken und Karäer einen Einblick zu gewinnen. So weit es aus den Familiennamen zu ersehen ist, dürfen wir behaupten, dass unsere Brüder in der Krim verschiedene Handwerke getrieben und auch Ackerbau und Handel nicht verschmäht haben. Wenn alle diese Formen bei den Karäern öfter als bei den Krimtschaken vorkommen — was auch zur grösseren Mannigfaltigkeit ihrer Familiennamen geführt hat —, so ist daraus nicht zu schliessen, dass die Krimtschaken das Handwerk weniger achteten; denn unter den letzten kommen ausser der gemeinsamen solche Beschäftigungen vor, die bei den Karäern nicht vorhanden sind; wie z. B. Demerdji (Schmied) und Tauktschi (Vogelhändler). Auch hier spielte eine gewisse Rolle der Zufall, dem der Umstand zuzuschreiben ist, dass das unter den Karäern so verbreitete Tabakgeschäft und der viele Krimtschaken nährende Schuhverschleiss keinen Ausdruck in ihren Familiennamen gefunden haben. Im einzelnen können wir unter den beiden Gruppen folgende Beschäftigungen nachweisen: Bei den Karäern: Aga (Beamter), Arabadji (Fuhrmann), Atter Apotheker), Bairaktar (Fahnenträger), Bakkal (Spezereihändler), Baldji (Honighändler), Bondar (Fassbinder), Galatsch (Wattehändler), Gamal (Träger), Kabaktschi (Schankwirt), Kasas (Posamentierer), Kapudji (Pförtner), Kelesch (Viehhändler), Kieldji (Seifensieder), Koitschu, Tschaban (Hirt), Kolpaktschi (Hutmacher), Maximadji (Busaverkäufer), Mechanadji (Weinhändler), Neumann (Bevollmächtigter), Penerdji (Käsehändler), Rofe (Arzt), Rebi (Lehrer), Saatschi (Uhrmacher), Sakischi (Mastixverkäufer), Saraf (Geldwechsler), Saratsch (Riemer), Sofer (Schreiber), Telal (Vermittler), Tepsi (Kupferschmied), Tulub (Pelzhändler), Tiloim (Hexenmeister), Fenerli (Laternenzurichter), Challatsch (Wollschläger), Chafus (Gelehrter), Tschawasch (Polizeimann), Tschoin (Schlosser), Tschoref (Juwelier), Tschumak (Warentransporteur), Schamasch (Synagogendiener), Ekmektschi (Bäcker), Jasdji (Schreiber). Bei den Krimtschaken: Akimof (Arzt), Atar (Apotheker), Gabeledji (Pächter der Fleischsteuer), Demerdji (Schmied), Kaja (Vorsteher), Kolpaktschi (Hutmacher), Kurktschi (Pelzhändler), Kujumdji (Juwelier), Neumann (Bevollmächtigter), Penerdji (Käsehändler),