Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — Abrabanel und stellt sie in Zusammenhang mit dem Titel „Abraban".. Er entdeckte auch im verdorbenen Familiennamen Trewgoda auf Grund von Ehekontrakten den italienischen Namen Torquato. Als Bestätigung hierfür kann der Umstand dienen, dass Trewgoda manchmal zur Thora als Tragweado aufgerufen wird. Die Familie Tabon rechnet sich zu den direkten Nachkommen der bekannten (Übersetzer) Tiboniden. Lombroso wollen die Krimtschaken um keinen Preis Italien abtreten, sie erzählen, dass seine Eltern dorthin aus der Krim übersiedelt seien. Die Askenasim und Sephardim bilden aber nur die Hauptbeimischungen. Wenn wir die Familiennamen weiter untersuchen, finden wir auch kleinere Zweige, die sich den Krimtschaken beimengten. Die 5 Familiennamen: Abajew, Qurdji, Kocos, Nissiamawitsch, Tocatli deuten ihre Herkunft aus dem Kaukasus an, wobei Qurdji einen Einwohner von Qrusien bezeichnet, Kokos wird als Kaukasier überhaupt gedeutet, obgleich manche diesen Namen vom Dorfe Kokos, das neben Bachtschisarai liegt, ableiten und anderen wiederum darin den Beinamen „blauäugig" sehen, , eine Eigenschaft, die in Wirklichkeit viele Krimtschaken besitzen. Abajew und Nissiamowitsch übersiedelten vom Kaukasus in die Krim noch bei Lebzeiten vieler älterer Krimtschaken, weshalb diese Namen zu den kaukasischen gerechnet werden, obgleich sie in ihrem Äusseren nichts spezifisch Kaukasisches verraten. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Familienname Tokatli. Der Ort Tokat wird in dem bekannten Briefe des chazarischen Zaren Josef erwähnt und muss dem Sinne nach irgendwo am kaukasischen Gestade des Schwarzen Meeres liegen. Die Krimtschaken bestimmen die Lage von Tokat etwas südlich vom jetzigen Batum und behaupten, einst einen lebhaften Handel mit den dortigen Kaufleuten geführt zu haben. Auch jetzt dient noch die Bezeichnung „Tokat Basirgani" (Tokatscher Kaufmann) als Ausdruck der Wohlhabenheit. Darin, glaube ich, kann man den direkten Beweis dafür sehen, dass der Name Tokatli von der Stadt Tokat stammt und keine Beziehung zu dem Beinamen „Zänkisch" hat, — eine Assoziation, die bei denjenigen entstehen konnte, die jede Verbindung mit den Volkstraditionen verloren haben. Wenn wir noch Ismirli „Einwanderer aus Smyrna", Misrachi „die Nachkommen der Einwanderer aus dem Orient" (hauptsächlich aus Persien), Surudjin „aus Konstantinopel" und Meschullam, der auch jetzt noch türkischer Untertan, erwähnen, so sind alle sichtbaren Quellen erschöpft, aus deren Elementen, ausser den ursprünglichen, die Krimtschaken sich gebildet haben. Wenn wir zulassen wollen, dass auf Grund der Familiennamen überhaupt über den ethnischen Bestand einer Volksgruppe geurteilt werden darf, so müssen die obengenannten Elemente die Hälfte aller Krimtschaken bilden. Wenn wir noch dazu berücksichtigen, dass die „ursprünglichen" seinerzeit auch von irgendwo hergekommen sein müssen, so müssen wir zu dem Schluss gelangen, dass die Krimtschaken eine sehr germischte Gruppe darstellen, jedenfalls viel gemischter, als die der Karäer, unter denen die fremden Elemente nur vereinzelt vorkommen. Es scheint nur, dass die von uns auf Grund der Namen entdeckte ethnische Zusammensetzung der Krimtschaken und Karäer schliessen lässt, dass jeder neuangekommene Jude mit seltener Aus-