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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 4 (1914) · p. Seite 101

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
4 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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— 101 — der karäischen Namen einen stark ausgeprägten einheimischen, tatarischen Charakter trägt. Ein ganz anderes Bild gewahren wir bei den Krimtschaken. Wenn wir sie zu den Ureinwohnern des Landes rechnen, die wohl in einigem Zusammenhang mit den alten Chasaren stehen, worauf auch die anthropologischen Daten hinweisen, dann ist jede auswärtige Beimischung als fremde zu betrachten, die bei einer gewissen Intensität die Auflösung des Urtypus beförderte, wofür wir wieder die Bestätigung in den anthropologischen Daten finden. Eine gewisse Stütze für die fremden Beimischungen haben wir in den Krimtschakennamen. Unter ihnen finden wir solche, deren Besitzer Auswanderer aus Russland oder Polen sind. Als solche kann man die folgenden nennen: Berman, Warschawsky, Weinberg, Herschhorn, Qidalevitsch, Selzer, Lechno, Lurie, Samoilovitsch, Sokolsky, Solowiew, Fischer, Flissfeder. Wenn wir zr diesen 13 Familiennamen noch Lobock, die sich zu den Auswanderern aus Russland rechnen, und Aschkinasi, deren Wurzel auf europäische Herstammung hinweist, hinzufügen, so haben wir im ganzen 15 Familiennamen oder einen sechsten Teil der allgemeinen Zahl der registrierten Namen. Aber damit ist das Verzeichnis der nicht einheimischen Namen noch lange nicht erschöpft, da viele von ihnen die ihrer Form nach nichts mit Europa zu tun haben, dennoch der Tradition nach zu den aschkenasischen zählen. Dazu gehören nach den Angaben der Krimtschaken folgende: Boruchow, Bochor, Sengin, Kaja, Kocusch, Kolpaktschi, Kurktschi, Neumann, Chondu, Chafus, Tscholak und Tschibar. Wenn wir diese zu den obengenannten hinzufügen, so haben wir 26 Namen oder mehr als ein Viertel asehkenasischer Herkunft. Es ist möglich, dass dies von dem Ehrgeiz, in die oberen Schichten der Gesellschaft zu gelangen, diktiert wird, da die eingewanderten Aschkenasim, obgleich den Krimtschaken assimiliert, dennoch in kultureller Beziehung viel höher standen. Als Muster der Aschkenasim kann die Familie Lechno dienen. Diese Vermutung hat eine Parallele in der übermässigen Zahl der Kohanim (Ahroniden) im jüdischen Volke, die der Nachkommenschaft von •einer Familie unmöglich entsprechen kann. Eine andere, der Zahl nach an zweiter Stelle stehende, fremde Gruppe unter den Krimtschaken sind die Einwanderer aus Süd- Europa, hauptsächlich die italienischen und spanischen Juden. Wie "bekannt, war ein Teil der Krim einige Zeit lang im Besitze der Genuesen, mit denen auch die südeuropäischen Juden kamen, die deutliche Spuren ihres Aufenthaltes in den jetzigen Familiennamen der Krimtschaken zurückgelassen haben. Wenn die Alten auch jetzt noch die italienischen Einwanderer von den spanischen unterscheiden, so hat das für uns weniger Interesse, denn die beiden Gruppen haben sich noch lange vor der Übersiedelung nach der Krim untereinander stark vermengt. Uns interessiert hauptsächlich die Tatsache, dass unter den Krimtschaken eine bedeutende Gruppe der echten Sephardim sich befindet, zu der die folgenden Familien gerechnet werden: Abraben, Andshel, Konort, Konfilio, Lombroso, Massot, Piastro, Tabon, Trewgoda, Tschapitscha. Es sind nur zehn Familiennamen, von denen aber einige sehr interessant sind. So sieht Perelman1) in Abraben das Urbild der berühmten Familie x) Woschod 1912 Nr. 15.

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