Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 100 — die Krimtschaken weniger Urgeschlechter gehabt hätten, da mehrere Geschlechter denselben Namen führen konnten, so wie auch nicht alle Meyers oder Schulzes untereinander verwandt sein müssen. Viel bedeutsamer ist die Erscheinung, dass die Karäer- und Krimtschakennamen dem Sinne nach nicht identisch sind. Nur 17 Familiennamen sind bei beiden Völkerschaften identisch: Ater—Atar, Boruchowitsch—Borochow, Gabbai, Sengin, Karakos, Kohen, Kolpaktschi, Lewi, Mangubi—Mangupli, Neumann, Penerdshi, Saraf, Saratsch, Chafus, Schamasch, Schamoilowitsch-Samoilowitsch und Jussufowitsch—Jussufow. Man kann diese Familiennamen unmöglich einer bestimmten Kategorie unterordnen, da unter ihnen solche vorkommen, die vom Vaternamen, vom Handwerk, vom Wohnorte und vom Beinamen abgeleitet sind. Womit ist aber der Unterschied dem Sinne und der Zahl nach zwischen den Karäer- und Krimtschakennamen zu erklären? Wenn wir das Namenverzeichnis nur flüchtig durchsehen, so bemerken wir sogleich die ethnische Verschiedenheit beider Gruppen. So weisen bei den Karäern die Namen auf it s ch, o w , in und sky auf ihre nicht tatarische Herkunft hin. Wir finden in unserem Verzeichnis 50 solcher Namen, von denen 27 den aus Polen Eingewanderten gehören. Daraus ist aber nicht zu schliessen, dass die Karäer fremde Elemente aufgenommen hätten, da die polnischen Karäer nur einen Teil der krimschen, von dem litauischen Fürsten Witowt im XIV. Jahrhundert in die Gefangenschaft geführten bilden. Obgleich die tatarische Sprache auch jetzt als Umgangssprache bei den polnischen Karäern dient, haben sie sich dennoch mit der sie umgebenden slawischen Bevölkerung assimiliert, was auch in der Form der Familiennamen seinen Ausdruck fand. Dabei ist noch zu bedenken, dass die Mehrzahl der Träger dieser Familiennamen nicht einmal in der Krim wohnt und ganz zufällig in das Namenverzeichnis gekommen ist. Die Karäer sind nämlich in geistlicher Beziehung auf zwei Zentren verteilt: den litauischen Teil, der den Nordwesten umfasst, und den taurischen, zu dem das übrige Russland gehört. Da in den letzten Jahrzehnten viele Karäer aus ihren alten Wohnsitzen in das Innere Russlands ausgewandert sind, so gerieten die früheren polnischen Karäer bei verschiedenen religiösen Akten in die Register des taurischen Chachams. Zweifelsohne haben schon längst engere Beziehungen zwischen den polnischen und krimschen Karäern bestanden, denn einige unzweifelhaft slawische Familiennamen werden jetzt zu den echt krimschen gerechnet. Die Karäer der Krim standen aber im Verkehr nicht nur mit ihren polnischen Brüdern, sondern auch mit denen anderer Länder, worauf die Namen Kastini, Stamboli und Mitschri hinweisen, in denen man kaum nur einen zufälligen Beinamen sehen darf. Hier ist auch der alte Familienname Firuz zu nennen, der zum erstenmal im zwölften Jahrhundert erwähnt wird. Die Familie stammt aus Persien oder Syrien und zählte viele Gelehrte und Dichter. Doch ausser der Hindeutung auf die Abstammung, die schon im Namen allein liegt, lebt in einigen Familien auch noch die Erinnerung an ihre anderwärtige Abstammung. So sollen die Gadshari aus Konstantinopel und die Massudas aus Ägypten abstammen. Wenn wir aber alle diese fremden Familiennamen, die im Ganzen die Minderheit bilden, weglassen, so müssen wir sagen, dass der Hauptkern