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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 4 (1914) · p. Seite 99

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
4 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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Die Familien der Karäer und der Krimtschaken. Von Dr. S. Weissenberg. Die Frage der Familiennamen, ihrer Entstehung und ihres Zusammenhanges mit dem Volksleben ist in der ethnographischen Literatur noch fast unberührt geblieben. Indes dienen diese scheinbar unwichtigen und zufälligen Wahrnehmungen oft als beste Erklärung der physischen und sozialen Merkmale einer Person. Ich lenkte deshalb bei meinen ethnographischen Untersuchungen meine Aufmerksamkeit auch auf die Familiennamen und zum Lohn fand ich hierbei oft den Schlüssel zur Erklärung mancher Erscheinungen. Z. B. beim Messen der bucharischen Juden traf ich auf einen Langköpf igen, dessen Name: Arabow (aus Arabien) deutlich auf seine südliche Herkunft hinwies, in der die Langköpfigkeit eine gewöhnliche Erscheinung ist. Leider ist aber die Untersuchung der Familiennamen sehr schwierig, erstens wegen ihrer grossen Zahl und zweitens wegen der Verunstaltung fremder Familiennamen, die als Folge der Schwierigkeiten bei Umschreibungen fremdsprachlicher Bildungen zu betrachten ist. Während meines Aufenthaltes in der Krim beschloss ich, möglichst viel Familiennamen der Karäer und Krimtschaken zu notieren, um auf diese Weise einige Beweismittel zu erlangen, die die Entstehung dieser beiden Zweige des gemeinschaftlichen jüdischen Stammes und ihre beiderseitigen Beziehungen zu erklären imstande wären. Dank der liebenswürdigen Mitwirkung einiger einflussreicher Personen an Ort und Stelle befand ich mich in besonders günstiger Lage, und ich glaube, dass das von mir zusammengestellte Namensverzeichnis vollständig zu nennen ist und die daraus folgenden Resultate als der Wirklichkeit entsprechend zu betrachten sind. Das am Ende angeführte alphabetische Verzeichnis enthält 296 Karäer- und 95 Krimtschakennamen. Da die Zahl dieser beiden Völkerschaften in der Krim beinahe gleich ist (die einen wie die anderen zählen etwa 7000 Seelen), könnte man glauben, dass die Familiennamen bei den Karäern mannigfaltiger als bei den Krimtschaken seien. Wenn wir aber aus dem Namensverzeichnis die Familiennamen ausstreichen, die ihrer Form nach aus polnischen Gegenden stammen, wovon später die Rede sem wird, und auch diejenigen, die bei derselben etymologischen Bedeutung verschieden geschrieben werden, wie z. B. „Gamal" und „Chamal", was bei den Karäern öfters vorkommt, dann wird die numerische Überlegenheit der letzteren sich vermindern, wenn sie auch immerhin bemerkbar bleibt. Es wäre jedoch ein Irrtum, hieraus zu schliessen, dass etwa

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