Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 88 — haben, wäre er gewiss binnen drei Tagen versilbert. Den nachlässigen Deutsch (Teitsch) grüss ich vielmal, welchen ich lange Zeit erwartet habe, ob noch nicht kommen ist. Meinen teuersten Freund et Freundin in Machof küss ich und grüsse et Familie. Mit nächsten ein Mehreres von mir. (Andere Handschrift!)1) Wertes Weibchen! Von Schlaf geweckt mit die Worte von Ihren lieben Kraus: „Kratz Dich später!", fang ich an, meine Empfehlung an Ihnen zu machen. Ich bestätige sein Schreiben, dass wir wohl sind. Aber schreckliche Plage! Glauben Sie bestimmt, wenn Lemlefeld nicht von Jugend Oberbetten gewohnt wäre, dass ich das Geschäft liegen lassen müsste. Und so gehet es uns jedem einen. Die süsse Hoffnung, meine lieben Eltern und gute Freund et Freundin balde wohl zu sehen, gibt mir, so eben Kraus, frische Kräfte, noch mehr gegenwärtig zu dulden. Bei Gott, keine Lüge! Es fangt mich schon wieder zu jucken (an), so dass ich schliessenmuss. Es kann möglich sein, dass es ein Leidenands-Kurier ist, nicht zu streiten, auch möglich ein Fähnrich-Kurier.---Die Gesellschaft ist mir zu nett, und Ihnen von beiden Kurier nichts zu gönnen ist der Wunsch in grösster Eile von Ihrem wahren Freund Lemle Feld (= Lemmelsfeld, siehe oben). Auch Ihnen, Mademoiselle, kommt vielleicht öfters in grösster Eile ein Fähnrich-Kurier überkreuz und quer. Denken Sie nur so oft an mich, wenn selber bei Ihnen sich blicken lässt, bin ich eben zufrieden. — Ich grüsse auch Ihnen, so oft Sie mich in Angedenken haben. Ihr Freund Lemle Feld. Ich bitte eben m. K. (mein Kompliment) an ihre werte Familie. (Wieder die Handschrift von Kraus.) Teierste Freundin Chajje Soroleben (100 Jahr sollst Du erleben, Amen)! Nur Sie haben mich deutlich genug bericht, von was meine grösste Sorgen waren. So einer Freundin, wie Sie, weiss ich bei Gott! nicht genug Dank zu schreiben. Mündlich, mündlich könnt ich nun kaum solcher teuerer Freundin danken, und brüderlich abküssen, was sich nicht mit Geld bezahlen lässt. Ich hab Hoffnung zu meinem Gott, der werd alles für mich lohnen. Bleiben Sie versichert meiner Freundschaft, so wie ich von Ihrer überzeugt bin, und bleibe stets Ihr gehorsamster Kraus. Grüssen Sie mir noch einmal Ihre liebe Elternleben et Familie, R. David Bischitzky et Madame p—z—g2). Der Trompeter blast zum Aufsitzen, ich muss endigen, es ist 3 Uhr nach Mitternacht. *) Von Kraus' Freund Lemelsfeld. 2) Frucht eines vollkommen Gerechten (wie oben).