Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 87 — erhalten. Kein Gefahr hat mir mehr gedroht, jeder Schuss war ein lieblicher Ton für mich, denn Dein Bild stand mir vor meine Augen und in meinem Herzen. Herzlich gern hätt ich Dir Dein Brief beantwortet. Da wir aber ein ganz anderen Marsch genommen haben, der bereits acht Täg, Tag und Nacht, dauerte gegen Warschau, so war mir unmöglich zu schreiben. Was belangt unsere Geschäften, bin ich vollkommen zufrieden. Ich hab Dir wollen aus Brzest Geld schicken, so ist mir mein Plan vernichtet. Ich hoffe aber, wenn wir nicht wiederum über dem Bug gehen, kommen wir in einigen Tagen nach Warschau. Da werde ich nicht verabsäumen, mein teuerste Hendelleben, Dir gleich von Geldmangel abzuhelfen, welches ich an Herrn Bischitzky adressieren werde. Schreibe mir, wie der Kurs in Prag ist, was die Scheine gelten und der Dukaten. Sollte aber ein Waffenstillstand werden, von welchem man viel spricht, oder Winterquartier? so eile ich, mein teuerste Hendelleben, in grössten Galopp zu Dir und meine gute Freund. An Pferd und Wagen fehlts uns nicht. Zwölf von die besten russischen Pferde haben wir und drei gute Britschken. Die Strapatz ist sehr gross. Tag und Nacht unter freien Himmel. Die Nächte sind hier schon sehr kalt, aber die russische Pelzen müssen alles ersetzen. Auf jeden Fall komme ich diesen Winter nach Hause. Mein geliebte Hendelleben! Gieb Dich nur geduldig! Deine Sorg wird Dir, wills Gott! reichlich belohnt werden. Lebe wohl und gesund nach Wunsch Deinem Mann, der Dich unaufhörlich liebt. Ich küsse Dich, lebe wohl! Joseph Kraus. An meine teuerste, geliebte Mutter (100 Jahr soll sie erleben, Amen!) bitte ich Dich, teuerste Hendelleben, gleich zu schreiben und zu berichten von meinem Wohlsein, wie ich an meinem geliebten Bruder und Schwestern und Schwagers, und wünsche bald zu wissen ihres Wohlsein. Wann Dir die Reise nicht zu beschwerlich fällt, Deiner Schwiegermutter es mündlich zu überbringen, so bitte ich Dich, teuerste Hendelleben, sie zu besuchen. Ich hoffe, Du wirst schon gute Anstalt zu machen wissen, hinzukommen. Solltest du aber nicht dort schon sein, so bitte ich, mich zu berichten, wo Du Dein Lieblingsplatz gewählt hast, in Lieblitz oder in Brandeis. Ich hoffe, Dich auf jeder Art glücklich zu treffen, und bleib versichert Deiner Liebe und Treue, wie unaufhörlich ich bleib. — Grüsse mir meine teuer geliebteste Mutter und küsse vieltausendmal sie statts meiner und jeden besond(ers) grüss ich viel und wünsche beständig wohl zu leben. Noch Leben! meinem geliebten Schwager und Schwägerin wirst Du nicht verabsäumen, meinen Gruss zu überschicken et Familie. Meine geliebte Schwiegermutter und Schwägerin und Schwager grüss ich viel tausendmal. Lieblitzer, besonders R. Sundel et Madame Zippora (100 Jahr soll sie erleben, Amen!), besonders R. Aharon et Madame Schaffker p—z—g (wohl peri zaddik gamur [Frucht eines vollkommen Gerechten]) und Familie. Ich wünschte seinen Weinkeller bei mir zu