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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 3 (1914) · p. Seite 85

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
3 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 85 (sequence 21)
Language
German
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— 85 — Rückmarsch. Friedensstation Brandeis. Nach Friedensschluss bezogen wir unsere Winterquartiere, und so wurde auch das Regiment, wo ich für Kriegsdauer engagiert war, Schwarzenberg-Uhlanen, nach Brandeis a. d. Elbe stationiert. Ich fügte mich mit besonderem Vergnügen diesem Befehle, indem mir Stadt und Land sowie dessen anmutige herrliche Lage im vortrefflichen Flachlande mit seinen fruchtbaren Auen und herrlichen Waldungen, durchflössen von der Elbe mit ihren vom schönsten Grün umsäumten Ufern, ausnehmend gefielen. Ich war entzückt beim Anblick. Eine innere Stimme sagte mir: „Nur hier lässt du dich nieder, wenn einst der volle Friede eingekehrt und du dein Heim gründen wirst." Ich hatte in Bälde mich heimlich gefunden und es fehlte mir nicht ein Kreis guter Freunde und Bekannten. Nicht unerwähnt bleibe, dass auch ein musikalischer Zirkel mir Gelegenheit bot, an Aufführungen, die daselbst gepflegt wurden, mitzuwirken. Nun sei auch erwähnt, dass, seitdem ich mein Vaterhaus verlassen hatte, bereits zehn Jahre verflossen waren. Obwohl ich stets in brieflichem Verkehr mit meinen Eltern und Geschwistern stand, beabsichtigte ich, besonders da die teuere Mutter noch am Leben war, selbe durch meinen unangesagten Besuch zu überraschen. Doch mein teuerer Vater hat diese Ueberraschung nicht mehr erlebt. Ich machte meine Reise mit Postpferden. Gross war die Überraschung für jene, die da wussten, wie ich vom väterlichen Hause ausgezogen und nun nach zehn Jahren mittels eigener Post heimkehrte, was zu jener Zeit nur selten Personen vornehmen konnten. Ich besah noch meinen alten Webstuhl und gestand mir, dass viele der Gedanken während meiner Weberei im Laufe der Zeit zur Ausführung und Tatsache geworden waren.--- Ich hatte durch zufälliges Begegnen die Bekanntschaft eines Mädchens von lieblicher Erscheinung gemacht, die mich auch durch ihre sonstigen Vorzüge fesselte. Ich war glücklich. Meine Neigung blieb nicht unerwidert. Und mit Zustimmung der Eltern stand mir das Haus offen. Doch mein Glück sollte nicht lange währen. Es war an einem schwülen Sommertage, als bei Sonnenuntergang ein drohendes schwarzes Gewölk sich ansammelte, das gewitterschwanger unter Blitz und Donner über die Gegend sich zu entladen drohte. Ein Windstrich führte das angsterregende, unheimliche Gewölk in eine nahegelegene Landschaft. Man sah es sich unter Blitz und Donner entladen. Nicht lange darauf, als sich das Wetter ausgetobt hatte, sah man einen Feuerschein aufsteigen, und zwar in der Richtung, wo ich so oft und gern den Weg zu meinem Liebchen machte. Dies erfüllte mich mit Beunruhigung. Ich sattelte mein Pferd und setzte in gestrecktem Lauf jenem Flammenschein nach. Ich wurde nur zu bald zu meinem Schrecken gewahr, dass nicht nur in jenem Dorfe, sondern auch an der Stelle, wo das Wohnhaus meiner Lieben stand, Flammen loderten. Ich sprang vom schweisstriefenden Pferde ab, um zu retten, was zu

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