Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2638044-2638104-2638107--1580-2641290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 83 — Zeiten hervortrat. Es war in der Schlacht bei W.*), als das österreichisch verbündete Heer den geschlagenen Feind verfolgte. Es war eines Tages, als ich mit meiner Mannschaft und Wagen und Verpflegsgegenständen an einem Flügel Aufstellung nehmen musste, um auch zugleich nebst Proviant mit Verband und nötigen Hilfsmitteln an die Hand zu seyn, teils in gedeckter Stellung. Doch unerwartet veränderte sich die Stellung des Angriffes. Er entwickelte sich unerwartet in der Position, wo ich aufgestellt war, zum mörderischen Angriff. Der nach vorwärts stürmende Kampf hinterliess ein schreckliches Bild von Getöteten, Sterbenden, Schwerverwundeten und Ächzenden. Da ich nun als Augenzeuge erwartete, dass der angegriffene und nach vorwärts gedrängte Feind bald durch nachfolgendes Reiterregiment Verstärkung erhalten durfte und durch Heranstürmen der verfolgenden Cavallerie die noch Lebenden und Schwerverwundeten den Hufen der Reiter preisgegeben wurden. . . Die Kugeln der Geschosse pfiffen ohne Unterlass über das vom Wehklagen und Winseln erfüllte Schlachtfeld. Die Lebensgefahr nicht beachtend, raffe ich meine Leute auf, ihnen voran inmitten des Schlachtfeldes. Von da aus trugen wir auf unseren Rücken mit Lebensgefahr die Schwerverwundeten aus der Schlachtlinie, um sie dem unvermeidlichen Untergange unter hinstürmenden Rosseshufen zu retten. Ich feuerte durch mein persönliches Beyspiel meine Leute unter Todesverachtung an zu diesem Rettungswerke. Als ich so daran war, beträchtliche Menschenleben auf meinem Rücken bluttriefend in Sicherheit zu bringen, sprengte ein Reiteroffizier, dem mein Tun aufgefallen war, mir entgegen mit den Worten: „Edler Menschenfreund, wer sind Sie denn? Nennen Sie mir Ihren Namen! Ihr edler Rettungsmut muss belohnt werden." Als ich auf dessen Verlangen meinen Namen und Stand angab, zog er aus seiner Brusttasche einen Bogen, worauf er mich einzeichnete. Der betreffende Officier war der Adjutant des commandierenden Fürsten Schwarzenberg. Ich hatte vieler Menschen Leben gerettet, der Lohn lag in meinem Bewusstsein. Tags darauf erfuhr ich, dass der Adjutant in derselben Schlacht gefallen und auch die Aufzeichnungen somit verloren gegangen waren. Doch mir blieb die Erinnerung an das Bewusstsein, meine Pflicht getan zu haben. Nach der Niederlage der Franzosen rückte die österreichische Armee den sich zurückziehenden Franzosen nach. Es ereignete sich L) Nach Graf 0. Kielmannsegg, Geschichte der Schwarzenberg-Ulanen Nr. 2 1790—1887 (im Wiener k. u. k. Kriegsministerium) kämpfte das Regiment 1805 bei Wertheim. Kommandant war damals Graf Hardegg. 1809 (nicht wie oben 1810) kam das Regiment nach Brandeis, 1812 nach Gaya. In demselben Jahre mobilisierte Österreich als Verbündeter Napoleons gegen Russland. Das Regiment kämpfte siegreich am 9. und 10. August bei Truszana, am 12. bei Podubine. Es drang bis Minsk vor. Alsdann trat es, gleichzeitig mit der Armee Napoleons, den Rückzug an (a. a. O. S. 144).