Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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— 82 — Auf meinen Reisen traf ich auch mit einem Landsmann aus Böhmen, namens Lömmlsf e 1 d , zusammen, der ebendasselbe Geschäft führte, wie das meine, nur noch mehr Praxis darin besass und auch ein reicher ausgestattetes Warenlager hatte. Bey näherer intimer Bekanntschaft, da ich in ihn Vertrauen setzen konnte, vereinten wir das Geschäft, was uns beiderseits zu Nutzen und Vorteil gereichte, da wir eine reichliche Auswahl zu Stande brachten. Wir besuchten mit Glück die Hauptstädte Russisch-Polens, Danzig, Wilna, Odessa u.a. m. und machten die Tour sodann wieder über Krakau. Der französische Kriegslärm zu Ausgang jenes Jahrhunderts hatte uns veranlasst, in die österreichischen Lande zurückzukehren. Wir lenkten unsere Geschäftsreise nach Krakau, wo wir unser Geschäft ausübten. Daselbst befand sich eine Abteilung eines österreichischen Armeecorps unter dem Commandanten General X. Zur Ausrüstung der höher bediensteten Militärs wurden die Feldstecher ein begehrter Artikel. Ich meldete mich demzufolge beim Commandanten, um meine Ware offerieren zu dürfen. Ich fand geneigte Aufnahme bey diesem leutseligen Herrn. Während er meine Feldstecher und Lorgnetts probierte, entging es mir nicht, dass er auch forschende Seitenblicke auf mich wandte. Er verlangte mit Wohlwollen Mitteilung über meine gehabte Reise und letztere Erfahrungen, die ich mit Vergnügen mitteilte, doch den würdigen Anstand nicht ausser acht lassend, der einer solchen Persönlichkeit zukommt. Ich fühlte mich geehrt ,dass er mich ins Gespräch zog, doch stets mit prüfendem Blick. Nachdem er zu meiner grössten Befriedigung seine Einkäufe beordnet und beglichen hatte und ich im Begriffe war, mich zu entfernen, hielt er mich wohlwollend zurück mit den Worten: „Junger Mann, Sie sagen mir zu. Ich würde ihnen einen Antrag stellen, der Ihnen zusagen sollte. Wir haben in unserem Regiment Schwarzenberg-Uhlanen zur Verpflegung einen geeigneten Mann aufzunehmen, der dieses Geschäft zu unternehmen geeignet wäre." Das Wohlwollen dieses Herrn liess mich in nähere Erörterungen eingehen, die mich bestimmen konnten, den Entschluss zu fassen, auf Kriegsdauer in dieses Unternehmen einzutreten. Es wurde mir zur Aufgabe gestellt, nur nötigen Proviant, die dringendsten diversen Bedarfsartikel nach Vorschrift für den zu erwartenden Ausmarsch in Bereitschaft zu bringen. Die Ausgaben des anzuschaffenden Bedarfs wurden von der Regimentscasse unterstützt. Es wurden mir 2 Gepäckswagen, 4 Wagenpferde, 1 Reitpferd und 4 Mann zugeteilt. Inzwischen hatte ich auch meine optischen Waren zu Geld gemacht. Aus dem langjährigen Krieg will ich nur einiges anführen, um die Aufopferung und Humanität zu zeichnen, welche sich zu allen