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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 3 (1914) · p. Seite 78

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
3 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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— 78 — Als Herr B. sich eingehend über meine Verhältnisse erkundigt hatte, stellte er mir den Antrag, in sein Geschäft einzutreten, indem ich als Weber Verständnis für sein Geschäft hätte. Ich trat ein und erwarb mir die vollste Zufriedenheit und vollstes Vertrauen bis zu meinem Austritt nach einem Jahre. Nun konnte ich aber nicht länger dem Drange widerstehen, die weite Welt kennen zu lernen. Auch hatte ich mir durch Fleiss und Sparsamkeit einen bedeutenden Betrag aufgespart. Allein auf mein Handwerk fussend, war es untunlich genug in die weite Welt zu walzen, überdies da es nur selten in wohlhabendem Betriebe zu finden war. Unter meinen Bekannten und Freunden, die sich zu mir im Laufe der Zeit gesellten, war besonders ein junger Optiker mir zugetan. Ich benutzte die Gelegenheit, Einblicke in dessen Geschäft zu machen, mit der Absicht, mich hierin einzuweihen. Ich eröffnete ihm meine Absicht und den Wunsch, mir diesen Beruf aneignen zu können, um hiedurch mein Fortkommen in der Welt zu ermöglichen. In kurzer Zeit erwarb ich mir das nötigste Wissen im Umgang, um geschäftlich prosperieren zu können. Ich war in der Lage, aus einem Teil meiner Ersparnisse mir eine entsprechende zweckdienliche Optikerware zu massigem Preise zu beschaffen und einen Teil zu meiner Reiseausrüstung, obwohl selbe nur bescheiden sein konnte, überdies da meine Reiserequisien wesentlich in einer Reisetasche, worin mein bescheidenes Geschäftsinventar, und in einem Bündel meiner nötigen Kleidungsstücken bestanden. Nachdem ich unter den besten Wünschen meines Brotherrn, der mich ungern entliess, Abschied genommen, ergriff ich abermals meinen Wanderstab. Nicht zu ermangeln ist die Bemerkung, dass zu jener Zeit die Spinnfabriken zu erstehen begannen, wodurch das Weberhandwerk hinter dem Webstuhle sehr sich zu entwerten anfing, daher nur eine dürftige Existenz diesem Handwerk bevorstand und daher die vorläufige Umwechslung mit dem Verkaufe von optischen Waren. Auf Anraten meines Freundes, von dem ich Einsicht in das Optikgeschäft erlangte und die Ware erkaufte, befolgte ich dessenRat, mich nach Polen zu wenden, da dieses Land mit diesem Artikel noch wenig bereist und für Anfänger zu empfehlen sei. Es war für mich keine geringe Aufgabe, zu jener Zeit bey sehr erschwerter Communication in fremdem, halbcultiviertem Lande und fremder Zunge mit meinem neuunternommenen Geschäfte als Neuling mich durchzubringen. Welche Not und Gefahren ich oft zu überstehen hatte, möge als Beygabe zu meinen Reiseerlebnissen beygefügt seyn. Als ich Böhmens Grenze in das Polenland überschritten hatte, hatte bereits die Frühlingssonne die Welt erfreut. Wohlgemut, wenn auch kärglich mit dem Nötigsten ausgestattet, machte ich die Wege von Ort zu Ort stets zu Fuss, allein auf mich angewiesen, ohne zu bedenken, dass es nicht rätlich sey in fremdem, wenig cultiviertem Lande. Ich entkam mit genauer Not oft der Gefahr, überfallen und

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