Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 72 — zugezählt zu werden. Er tat sich viel zu gute, bei der heiligen Messe mitwirken zu können. Auch die Trompete musste zur Zeit zur Hand sein. Nun war das höchste Wissen, das die Dorfschule bot, erschöpft. Etwas wenig deutsches Wissen wurde von dem damaligen Jesuiten-Pater des Schlosses Sternberg in Anregung gebracht, so wie auch aus der damaligen Schule aus Katsof, zwey Stunden weit entfernt. Ein Abenteuer aus der Schulzeit will ich seiner Mitteilung zufolge hier wiederzugeben nicht unterlassen. Ich lasse seine Worte reden: Als kleiner Junge war ich oft darauf angewiesen, in später Abendstunde nach beendetem Unterricht später als sonst den Heimweg von etwa zwey Stunden öden Weges allein zu machen. Zu Beginn des Halbdunkels gings mit meinem Auftreten genug herzhaft. Doch Finsternis trat ein und mir steigerte sich nicht der Mut, als ich durch ein kleines Geräusch glaubte, Schritt auf Schritt verfolgt zu werden. Ich ging demzufolge längere Schritte mit ausgestrecktem Gange. Doch siehe, um so deutlicher vernahm ich das mich verfolgende Geräusch. Der Angstschweiss trat mir auf die Stirn und ich versuchte in der Flucht mein Heil, um dem vermeinten Verfolger zu entrinnen. Nun der Ermattung nahe, musste ich nach langer Tur in rasender Eile ein mässiges Tempo einhalten, und siehe da, je mehr ich genöthigt war, meinen Gang zu massigen, stellte sich das Geräusch wieder ein. Ich nehme mir Mut und blicke hinter mich und sehe weit und breit nichts vor, nichts hinter mir. Nun wieder vorwärts und wieder Geräusch. Nun verlege ich mich mutig auf die Untersuchung. Nun siehe, was war es? Meine ledernen Hosen, die durchnässt, den Tag zuvor getrocknet worden und dadurch harte Falten bekommen hatten, hatten mir durch das beim Gehen verursachte Geräusch so hart mitgespielt. Obwohl ich über mich selbst lachen musste, musste ich doch oft an den gehabten Angstschweiss denken, ungeachtet ich zu den mutigen Knaben gehörte und versuchte, im Mut anderen nicht nachzustehen. Auch als Arbeiter mich zu versuchen, unterliess ich nicht. Unsere Oekonomie war zu klein, um Pferde zueigen zu halten. Wie sehr beneidete ich manchen Dorfburschen, der zur Weide auf seinem Pferde sass. Ja, das musste ich auch noch tun und es gelang mir durch Abfindung einer kleinen Portion Rauchtabak, mich mit dem Weideburschen zu Pferde herumzutummeln, worin ich mich nicht wenig stolz dünkte. Es waren schöne Sonntagsritte auf magerem Pferde ohne Sattel. Ich zählte bereits 12 Jahre, als mein vorsorglicher Vater darauf drang, mich einem Gewerbe zu widmen. Ich konnte in meiner