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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 3 (1914) · p. Seite 69

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
3 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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— 69 — Heymann weilte damals in Geschäften in Polen — vertraute sein Bruder Moses seine Effekten einem französischen Magazinbeamten, namens Gross, an. Dieser wurde aber von den Russen erschossen, sein Wagen, darauf auch die Habe Heymanns, fiel ihnen zur Beute. Moses Heymann selbst hatte sich auf einem Schlitten geflüchtet. An der B e r e s i n a langte er wenige Stunden vor dem von Napoleon angeordneten Abbruch der Brücke an. Er Hess seinen Schlitten im Stich und suchte sich über die Brücke zu retten. Im Gedränge stürzte er zweimal in den Fluss, eine feindliche Kugel durchbohrte seine Pelzmütze, die er zum Andenken heimbrachte. Nach vielen Leiden kam er mit erfrorenen Füssen ohne Pass nach W i 1 n a. Dort traf er seinen Schwager Löwengard1) aus Hohenems, der ihm versprach, ihn unter dem Decktitel eines Bedienten nach Deutschland mitzunehmen. Dieser Plan kam jedoch nicht zur Ausführung. Heymann übernahm mit den 100 Louisdors, die ihm noch geblieben waren, Lieferungen für das französische Militär in Wilna in Verbindung mit einem Elsässer Picard, vermutlich dem Leidensgefährten Die speckers in Spanien.2) Picard ging ihm aber mit der Barschaft durch. Ein anderer Glaubensgenosse, Judel Alchemister aus Lemberg, half nun H e y m a nn bis Wien, von wo er alsdann die Heimreise nach Laibach antrat. Dort hatte er unter den Schikanen der wiedereingesetzten österreichischen Regierung fortdauernd schwer zu leiden. Einen anderen jüdischen Teilnehmer an den napoleonischen Kriegen lernen wir nun an der Hand der vorliegenden Memoiren3) in Josef Kraus kennen. 1781 in dem Dorfe Stabuzoves bei Käcow in Böhmen geboren, erlernte er zunächst das Weberhandwerk. Mit 13 Jahren begab er sich, nachdem er den Freibrief erhalten hatte, auf die Wanderschaft. Eines Tages traf er mit einem italienischen Optiker zusammen, der ihn bewog, sich dem gleichen Gewerbe zuzuwenden. Als Hausierer mit optischen Instrumenten kam Kraus eines Tages (i. J. 1801) in ein Schloss, in dem der Kommandeur (oder Inhaber) des Fürst Schwarzenberg-Ulanen-Regiments auf ihn aufmerksam wurde und ihn mit Rücksicht auf seinen kräftigen Körperbau und seine ge- *) Über Heymann und L ö w e n g a r d s, diese „Mitteilungen" 1912, 3 Anhang (Deszendententafel), ferner S c h e r e r , Die Rechtsverhältnisse S. 528. Eine Abschrift der Heymannschen Aufzeichnungen besitzt das Wiener Jüdische Museum. Veröffentlicht wurden sie bereits in der „Allg. Zeitung des Judentums'4 1849. 2) Vgl. „Die Feldzüge Napoleons" S. 19. 3) Diese Memoiren nebst einer Anzahl (jüdischdeutscher) Privatbriefe und anderen Dokumenten überliess mir zur Benutzung, wofür ich an dieser Stelle nochmals meinen Dank ausspreche, Frau Jeannette Müllei, Wien V, die zwei Briefe aus Russland Herr Gustav Janowitz inPodie'brad.

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