Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 68 — die schon im Anfang des 17. Jahrhunderts von einem Kabbalisten niedergeschriebene Prophezeiung, dass die von Ismael (LMose25,18) gebrauchten Worte: „al pene kol echaw na pal" („vor all seinen Brüdern liess er sich nieder") sich auf einen Massenmörder aus dem Stamme Kajins mit einem an „napal" anklingenden Namen bezögen, der sich mit Ismael verbinden werde. Man deutete diesen Ausspruch auf Bonapartes syrischen Feldzug. Einer der eifrigsten Gegner Napoleons war S a 1 m a n S c h n e o r (Senior) aus Liadi, der Begründer der unter dem Namen Chabadismus bekannten Richtung des Chassidismus. Von der französischen Invasion befürchtete er den Einzug des Atheismus, und unter grossen Opfern sorgte er für die Verproviantierung der russischen Soldaten. l)Yür den Geist seines Kreises bezeichnend ist die gelegentlich auch von Bismarck nach einem Petersburger Gewährsmann wiedergegebene Anekdote, wie ein Schüler Salman Schneors in seinem Eifer gegen den französischen Geist sich zugunsten der -Russen den Franzosen als Spion verdingt hatte, aber eines Tages von Napoleon dabei überrascht wurde, wie er im Geheimen mit dem Fingernagel auf den Bleiknopf seines Stockes verräterische Zeichen einritzte. „Du verdientest erschossen zu werden", donnerte ihn der Kaiser an, „aber es ist schade um solch einen Kerl. Geh' und zeig' dich nicht wieder!" Von österreichischen Juden, die diesen russischen Feldzug Napoleons mitgemacht haben, ist bereits Abraham Hei mann bekannt geworden, der erste Jude, der nach der Vertreibung der Juden aus Krain (i. J. 1496) sich dort wieder niederliess. 1809 war Laibach die Hauptstadt des französischen Königreichs Illyrien geworden. Es hatte damit alle früheren Privilegien, auch das der Judenaussperrung, eingebüsst. In demselben Jahre kam Abraham Heimann, aus Memmelsdorf in Bayern gebürtig, mit seinem Neffen Simon Heimann aus Wien nach Laibach. Er errichtete dort ein Manufakturgeschäft und mit besonderer Erlaubnis Marmonts, des Herzogs von Ragusa, eine Wechselstube. Bald darauf zog auch sein Bruder M o s e s zu ihm und wurde Teilhaber seines Geschäftes. 1812 zogen beide Brüder als Lieferanten der französischen Armee nach Russland. In Smolensk führten sie eine glänzend gehende Gastwirtschaft. Bei dem Rückzüge der Franzosen — Abraham wohnte, er trat als Tambour bei der Schar Poniatofskis ein und kämpfte unter Napoleon. Von den Russen bei Dresden gefangen genommen, erlangte er in ihren Diensten die Würde eines Generals, später die eines Präsidenten des Gouvernements Kaluga. 1860 kehrte er in sein Vaterland und zum Glauben seiner Väter zurück. Er starb 1878 und wurde in Wieliczka an der Seite seiner Eltern beerdigt. Ein Enkelsohn J.'s ist der Gesandte Russlands in Washington, Baron Rosen, der auch bei den russischjapanischen Friedensverhandlungen mitgewirkt hat.] Über den General Heymann, den: Goethe in seiner „Campagne" erwähnt, ist mir derzeit nichts Näheres bekannt. Andere Literatur war mich bisher nicht erreichbar. x) Vgl. Frenk, Jehude Polen bime milchamot Napoleon, Warschau 5674 (1914).