Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Memoiren eines böhmischen Juden. Josef Kraus und seine Erlebnisse in den napoleonischen Feldzügen. Einleitung. Die hier zum ersten Mal veröffentlichten Aufzeichnungen eines Juden, der an den Kämpfen Oesterreichs gegen Napoleon I. teilgenommen hat, bieten manchen dankenswerten Aufschluss über das innere Leben der böhmischen, aber auch der polnischen Juden jener Zeit. Die Juden Polens — dies sei zu unserer Ausgabe einiger Darstellungen jüdischer Mitkämpfer und Zeitgenossen Napoleons hier nachgetragen1) —, teilten in weiten Kreisen durchaus nicht die in der westlichen Judenheit zumeist vorherrschende Begeisterung für den korsischen Eroberer. Wie fest man in Deutschland an seinen Stern glaubte, beweist u. a. die Angabe, dass der bekannte Altonaer Rabbiner Raphael Cohen, der Grossvater Gabriel Riessers, zu jener Zeit ausschliesslich die zu der Ordnung „Kodaschim" gehörenden Traktate des Talmuds studierte, indem er erklärte, die Erfolge des Usurpators seinen so wunderbar, dass er, als Kohen (Ahronide), sich darauf vorbereiten müsse, nach Wiederherstellung des jüdischen Reiches in Palästina, die ja Napoleon vor seiner Unternehmung nach dem Orient den Juden verheissen hatte, im neuerrichteten Heiligtum zu Jerusalem des Priesteramtes zu walten. Unter den osteuropäischen Juden wurden jedoch aus der Bibel, wo sich irgend Wortanklänge an den Namen Napoleons fanden, Prophezeiungen seines Unterganges herausgelesen. Ein polnischer Rabbiner bezog auf ihn die Worte 2. Mose 18, 18 „nabol tibbol" („ermüden wirst du"), ein anderer die Voraussagung an Haman (Ester 6, 13): „napol tippol" („fallen wirst du"). Man zitierte auch *) Siehe meine „Feldzüge Napoleons nach Aufzeichnungen jüdischer Teilnehmer und Augenzeugen'4, Wien 1913, Wilh. Braumüller. Ausführlicheres findet sich in der (hebräischen) Literatur über Sa Im an Schneor (auch beiVerus,DerChassidismus, Pieschen 1901, S. 137 ff), über die Juden im östlichen Preussen und ihre Kriegserlebnisse in jener Zeit einiges in den von Heinr. Löwe herausgegebenen Lebenserinnerungen von Mosche Wasserzu g und A. H, Hey mann. Uber einen polnischen Juden, der nach der Schlacht bei Dresden aus den Diensten Napoleons in die Russlands übertrat und bis zum General befördert worden ist: im „Ha-mizpe" 1909 Nr. 35 [Josef Josefsthal, in Wieliczka 1780 geboren, entfernte sich mit 14 Jahren nach einem ehelichen Zwist aus Apta, wo er damals