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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 2 (1914) · p. Seite 64

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
2 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 64 (sequence 32)
Language
German
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— 64 — Propheten den Monotheismus geschaffen hätten, widerlegt die Haltung eines Arnos und Hosea. Auch die mit anderen Religionskreisen gemeinsamen Riten (Beschneidung, Speisegesetz usw.) stehen mit dem ethischen Prinzip der Religion Israels in engem Zusammenhange. Das Phänomen der Prophetie ist ohne Analogie in der gesamten Religionsgeschichte. Alle diese Ausführungen über das Alte Testament wird jedes ruhig abwägende Urteil billigen. Hingegen zeigen die Aussprüche über Talmud und Pharisäer, entsprechend die zitierten Quellen, einen bedauerlichen Mangel an Kenntnis dieser Gegenstände. Eine Folge ist dann auch die schiefe Beurteilung des Verhältnisses von Christentum zum Judentum. Bücher, wie das von Travers Herford, dürfte hierin endlich Wandel schaffen. Dieser Mangel ist um so bedauerlicher, als das Buch Orellis sonst allen Ansprüchen objektiver Wissenschaftlichkeit entspricht. M. Die Gesellschaft für jüdische Völkerkunde in Hamburg (E, V,) veranstaltete am 28. Februar d. J. zur Feier der Verlegung ihrer Räumlichkeiten nach dem Museum für Völkerkunde, Rotenbaum-Chaussee, eine Festsitzung, in der Herr Rabbiner Dr. Loewenthal zunächst einen Vortrag über „Familie und Familienbeziehungen im jüdischen Volksmunde" hielt. Der Redner betonte einleitend, dass, wenn es heute eine jüdische Volkskunde gibt, diese, in erster Linie auf den grossen Einfluss des jüdischen Familienlebens für die Erhaltung der Eigenart zurückzuführen ist. Selbst in der heutigen, alles nivellierenden Zeit hat sich das jüdische Familienleben zu erhalten gewusst. Ein Ruhmesblatt der jüdischen Poesie ist stets die Schilderung des Familienlebens. In dieser Beziehung sei nur an den Psalm 128 erinnert, in dem es heisst: „Wenn Du Deiner Hände Arbeit geniessest, Heil Dir, und Dir ist wohl, Dein Weib wie ein fruchttragender Weinstock im Innern Deines Hauses, Deine Kinder wie Oelbaumsprösslinge rings um Deinen Tisch. Siehe, also ist der Mann gesegnet, der den Ewigen fürchtet." Die Kinder sind stets im biblischen Zeitalter als ein Segen betrachtet worden. Und wenn die Propheten das Verhältnis Gottes zu seinem auserwählten Volke in recht inniger Weise darstellen wollen, so wählen sie als Gleichnis Bilder aus dem Familienleben. So z. B. der Prophet Jesaia: „Vergisst ein Weib ihres Säuglings, dass sie sich nicht erbarmte des Sohnes ihres Leibes? Und ob diese auch vergässe — so will ich dein nicht vergessen." (Jesaia 41 V. 15.) Und ebenso wird im Talmud und in den Midraschim stets auf die Innigkeit des Familienlebens hingewiesen. Und später in den Sprichwörtern und anderweitigen Auslassungen des Volksmundes, namentlich in Deutschland im 13. und 14. und in Russland im 18. und 19. Jahrhundert, begegnen wir zahlreichen Aussprüchen über die Heiligkeit des Familienlebens. Von den vielen interessanten Beispielen

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