Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 65 — des Redners seien hier nur einige angeführt. So aus dem ursprünglich von Indien stammenden Sagenkreis des Kaiila Wedimna. Der Mäusekönig will seine Tochter, auf die er als Vater sehr stolz ist, verheiraten. Da ihm gesagt wird, dass die Sonne sehr mächtig ist, so wendet er sich an diese, und sie ist es auch zufrieden. Aber sie sagt, die Wolke ist stärker als die Sonne, denn sie wird durch diese in den Schatten gestellt. Der Vater wendet sich nun an die Wolke und diese erklärt, dass der Sturmwind stärker sei als sie, denn er verjage die Wolke. Und die Winde wiederum erklärten, dass der Berg stärker sei als sie, denn an ihm brechen sich die Winde. Aber der Berg, an den sich der Vater nun wendet, bedeutet ihm, dass die Mäuse stärker seien als er, denn sie zernagen ihn. Daraufhin erklärt der Vater: „Dann soll meine Tochter in der Familie heiraten." Es wird hier also an einem Märchen die Bedeutung der Familie im allgemeinen erläutert. Der Vortragende wandte sich dann in seinen weiteren Ausführungen den Sprichwörtern zu, deren Bedeutung die einzelnen Familienmitglieder zu schätzen wissen und meist treffend charakterisieren. Der interessante Vortrag fand lebhaften Beifall. — Im Anschluss hieran fand die ordentliche Häuptversammlung statt. Herr Dr. R i e g e r begrüsste als erster Vorsitzender der Gesellschaft die Erschienenen und betonte, dass die Gesellschaft naturgemäss als wissenschaftliche Vereinigung ein beschauliches, wenig an die Oeffentlichkeit dringendes Dasein führen müsse. Das letzte Jahr war ein sehr stilles und arbeitsreiches. Das Hauptereignis des Jahres war die Uebersiedlung des Museums der Gesellschaft nach den neuen Räumen des Museums für Völkerkunde, wo ihr dank dem Entgegenkommen des Staates und der Museumsleitung diese schönen, für ihre Zwecke besonders geeigneten Räume zur Verfügung gestellt wurden. Er wolle es nicht unterlassen, den Behörden auch von dieser Stelle aus den Dank der Gesellschaft öffentlich auszusprechen. Die von dem Begründer und Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft, Herrn Rabbiner Dr. G r u nw a 1 d - Wien herausgegebenen Mitteilungen der Gesellschaft werden von ihm unter Beihilfe eines Komitees, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Loewenthal, M. Deutschländer und Dr. R i e g e r, redigiert. Ein Hauptaugenmerk richtete der Vorstand neben der Ausgestaltung der Mitteilungen auf die Vermehrung der Sammlungen der Gesellschaft. Insbesondere ist es ihm gelungen, zwei wertvolle Hamburgensien in allerletzter Zeit anzukaufen, und zwar sind dies zwei in Hamburg, respektive Altona gedruckte hebräische Broschüren, von denen die eine eine poetische Darstellung der Leiden der Juden während der Belagerung von 1814 enthält, indes die andere, aus dem Jahre 1809 stammende, uns mit einem Danklied der Altonaer Gemeinde anlässlich des Geburtstages des Königs Friedrich von Dänemark bekannt macht. Sehr wichtig sind auch die Ankäufe eines von Otto Spektor gezeichneten Bildes von Salomon Heine, das den bekannten Philanthropen darstellt, wie e*- von seiner Villa in Oevelgönne auf die Elbe hinausschaut, sowie eine