Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 61 — Gulden, die sie zum genannten bestaendigen Capital gegeben haben, wird nicht ein Heller den armen Verwandten ihrer Mutter gegeben, daher bleibt der Wille des Sterbenden unerfüllt, erstens von Seiten ihrer Mutter, und dann noch mehr von Seiten des Testaments ihres Vaters, in welchem auch das Testament ihrer Mutter enthalten ist. Daher sind die gedachten Erben schuldig, die Haelfte von dem, was sie von den genannten zwanzig von Hundert, die sie wegzustellen verpflichtet sind, wegen der von ihnen gegebenen vier und vierzig Tausend Gulden abziehen, als bestaendiges Capital wegzustellen, und die Zinsen davon nur den armen Verwandten ihrer seeligen Mutter zu geben, da man einem Almosen zum andern keine Veraenderung machen darf, wie in Joreh Deah Abschn. 259 gesagt wird. Alles dieses habe ich für richtig befunden nach dem Rechte Israels, und habe ich es auch so niedergeschrieben. Gott behüte -mich vor unwissentlichen Fehlern und zeige mir Wunder an Seiner heiligen Lehre zum Heile. Amen. So spricht zur Ehre der Wohlthätigkeit am ersten Wochentage, dem siebzehnten Tage des Monates Menachem Jahr der Welt 5540 (i. e. 1780) Jakob vom Hause Katzenellenbogen Oberrabbiner in Oettingen und der Landschaft. Bücherschau. Soziale Ethik im Judentum. tierausg. vom Verband der deutsch e n J u d e n. 3. Aufl. Frankf. a. M. 1914. J. Kauffmann. Die hier vereinten Aufsätze, denen die allgemeine Anerkennung sicher ist, greifen, wie besonders die über „Mildtätigkeit" und „Die Frau im Judentum", weit in das Gebiet der Volkskunde hinüber und sind darum auch von diesem Gesichtspunkte aus beachtenswert. Pesachhaggada. Herausg. von C. Seligmann, Frankf. a. M. 1914, J. Kauffmann. Eine schöne Festgabe. Diese bisher unbekannten Haggadabildchen treffen den Ton ganz vortrefflich. Die Emendation für die 9 im „Echad mi jodea" (9. Ab!) stammt vom Herausgeber. Karl Joel, Die philosophische Krisis der Gegenwart. Leipzig 1914, Felix Meiner. 1,40 M. Eine Rektoratsrede, die mit meisterhafter Klarheit und Schärfe die Antithesen in der gährenden Entwicklung unseres modernen Lebens aufdeckt. Kunst und Wissenschaft, Religion und Moral, alles wird kritisch abgeleuchtet, um darzutun, daß nur der Handlanger der Wissenschaft die Philosophie überflüssig machen kann, daß sie vielmehr berufen ist, als Gegengewicht gegen die Differenzierung Im Spezialismus, zu konzentrieren, die Brücke zu schlagen vom Geist zur Welt, vom Denken zum Leben. Mit einer Fülle feiner Bemerkungen im einzelnen, eine vortreffliche Einführung in das Geistesleben der Gegenwart.