Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 54 — IV. Trotz der Opposition seitens einiger bedeutender Maskilim gegen die jiddische Sprache Hess sich Lewin von seiner Uebersetzungsarbeit nicht abhalten. Im Gegenteil, er setzte seine Bibelübersetzung fort, die aber zu seinen Lebzeiten nicht erschienen ist. Zu dieser Zeit schrieb er sogar ein jiddisches Werk unter dem Titel „Der erschter Chussid", in welchem er das Wesen des Chassidismus klarlegt, und, wie es auch der Titel selbst besagt, einiges über dessen Begründer mitteilt. Dieses Werk ist aber Handschrift geblieben.1) Lewin, der sich schon in seinem „Essay sur le plan de reform" gegen die mystischen Strömungen in der Judenheit aussprach, hat wahrscheinlich, da er als Podolier Jude die beste Gelegenheit gehabt hatte, die Anfänge des Chassidismus zu beobachten, in diesem Buche wichtige historische Mitteilungen gemacht. Sonst hat er in dieser Zeit wenig veröffentlicht, nur hie und da erschienen kleinere Beiträge von ihm und Briefe an seine Schüler.2) Im Jahre 1817 arbeitete er in der von seinem Schüler Jakob Samuel Byk herausgegebenen Zeitschrift „Olath Schabbath", die nur handschriftlich verbreitet wurde, mit. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in seiner Heimat Satanow, wo er im Jahre 1823 gestorben ist. Mendel Lewin gehört, wenn er auch keine schöpferische Tätigkeit entwickelte, zu den interessantesten Persönlichkeiten der ersten Haskalaperiode. Ihm gebührt das grosse Verdienst, die polnische Judenheit mit den Aufklärungsideen vertraut gemacht zu haben. Sein einziges Bestreben war, die jüdischen Volksmassen aufzuklären und der europäischen Kultur näher zu bringen. Er wollte dies aber auf eine rationelle, den polnischen Juden zugängliche Weise vollführen und griff deshalb zu der Sprache dieser Volksmassen, dem Jiddischen. Es ist interessant, dass er als Zögling der Berliner Haskala das jüdische Volkstum hochschätzte, an den Ideen eines Feder, der das höchste Ideal der Haskala in der Annahme der deutschen Sprache durch die Juden gesehen hate, keinen Gefallen fand und gegen diese Gruppe auftrat. In seinen Reformideen war er ein strenger Rationalist und glaubte durch die blosse Reform der jüdischen Erziehung den ganzen Komplex der Judenfrage in Polen zu lösen. Als aber der Versuch des vierjährigen Reichstages scheiterte, gab er seine Ideen nicht *) A. B. Gottlober in seinen „Erinnerungen" Heasif, Band I, S. 7 2) Im Jahr 1818 erschien von ihm „Masseoth hajam" nach Campe bearbeitet (Zolkiew 1818) und „Muda labina", Auszüge aus den Iggeroth hachochmah.