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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 2 (1914) · p. Seite 53

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
2 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 53 (sequence 21)
Language
German
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— 53 — In ihr dachten Baal habäch, Remo, Smah und Schach, in diesei Sprache hörten wir den Wilner Gaon reden.1) Jiddisch ist ein Dialekt, der von den Maskilim so hoch geschätzten deutschen Sprache. Die Gelehrten aller Völker sind bestrebt, die Wissenschaft zu popularisieren und zwar in der Volkssprache, weshalb sollte man nicht ebenso die in die Ukraine verschlagenen Juden, die keine andere Sprache verstehen, aufklären2) Feder werfe dem Jiddischen vor, dass es eine Mischsprache sei; ja, sind die englische, die französische Sprache anderes als Mischsprachen, die ihren Inhalt den lateinisch-gallischen Sprachen entnahmen? und dennoch haben sie sich zu vollkommen schönen Sprachen entwickelt. Ja, selbst die deutsche Sprache habe dieselbe Entwicklung durchmachen müssen. Feder habe unrecht, wenn er Lewin den Vorwurf mache, durch die Uebersetzung der heiligen Schrift ins Jiddische die Haskalaideen profaniert zu haben. Nein, er müsse diesen Schritt bereuen und Mendel Satanow um Verzeihung3) bitten. Wir sehen, dass Byk die jüdische Uebersetzung nur aus Liebe zum jüdischen Volkstume in Schutz nahm. In seinen Anschauungen war er ganz verschieden von denen der Maskilim, für ihn war alles, was den Juden eigen war, heilig und existenzberechtigt. Selbst die jiddische Sprache war ihm, weil sie von den Juden gesprochen ward, teuer — e:n vorzeitiger Apologet der jiddischen Sprachbewegung. Byks Brief erzielte auch seine Wirkung, denn bald darauf antwortete Feder,4) dass er seinen leichtsinnigen Schritt bereue, Levins Bedeutung voll und ganz anerkenne und ihn um Verzeihung bitte. Da folgt aber ein Zug, der kein so schönes Licht auf Feders Charakter wirft. Er verlangte nämlich, dass man ihm Geld gebe, damit er dem Drucker seine Schuld bezahlen könne, und er werde das Pamphlet nicht erscheinen lassen. „Wenn du mir die Ausgaben bezahlst, wird Ruhe sein und Lewin kein Leid mehr erdulden!" Tatsächlich schickte ihm bald hierauf der Brodyer Maskilimkreis 100 Rubel. Feder hielt sein Wort und liess die Schrift nicht erscheinen.5) Somit war diese für Lewin unangenehme Affäre aus der Welt geschafft, doch bildet sie einen wertvollen Beitrag zur Kulturgeschichte der damaligen Aufklärungsbewegung. 0 Sein Brief an Feder, abgedruckt in Kerem Chemed, Band I, S. 98. 2) Daselbst S. 98. 3) Sein Brief ist abgedruckt in Kerem Chemed, Band I, Seite 101. 4) Im. Gegenteil, Lewin gebühre das große Verdienst, die heilige Schrift in der seinen Brüdern verständlichen Sprache popularisiert zu haben. Lewin sei doch ein hervorragender Gelehrter, war er ja doch der erste, der die Berliner Haskalabewegung hierher verpflanzte^ 5) Das Pamphlet erschien erst nach seinem Tode im Jahre 1853 in Lemberg.

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