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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1914-01-01 · 2 (1914) · p. Seite 52

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
17 (1914)
Issue
2 (1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 52 (sequence 20)
Language
German
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— 52 — Unter Lewins Einfluss schloss er sich der Haskalabewegung an, im festen Glauben, dass er in ihr sein Lebensideal finden werde. Doch Enttäuschung musste er erleben. In seinem Innern trat später eine Aenderung ein, er sah ein, dass die Haskala wenig vom Judentum in sich enthielt. Auch die so oft gepriesene Freundschaft unter den Maskiiim war für ihn nur Phrase. Voll seelischer Zerknirschung verliess er die Haskala und schloss sich dem Chassidismus,1) in dem er den wahren Ausdruck der Freundschaft und Liebe zum Judentum zu finden glaubte, an. Für ihn war „Liebe zu Israel das vornehmste Fundament für israelitische Bildung", diese Liebe fand er aber keineswegs in der Aufklärung, die, seiner Meinung nach, sich allmählich vom Judentume entfernte. Er liebte das jüdische Volkstum mit seiner ganzen Seele und konnte die Bestrebungen der Haskala, den jüdischen Volksmassen fremde Kultureinflüsse zu vermitteln, nicht anerkennen. Er war eine starke Persönlichkeit, die schön träumte, aber deren Traum nicht verwirklicht wurde, er erlebte das Los einer unverstandenen originellen Individualität.2) Während des Angriffes Feders stand er noch ganz im Lager der Maskiiim. Als Schüler Lewins konnte er nicht ruhig die Angriffe auf seinen Meister entgegennehmen. Voll Entrüstung gegen Feder richtete er an ihn am 19. Teweth 5575 einen Brief, in welchem er seinerseits die Person Lewins in Schutz nahm, andererseits aber die jiddische Sprache zu rechtfertigen suchte. Er nannte Feder einen feinen Stilisten, „dessen Sonne aufging, als die Bensew's untergegangen war", und wollte ihm als seinem Bruder seine Fehler nachweisen. Er selbst müsste zugeben, dass Mendel Satanower um die Haskala riesige Verdienste sich erworben, da er durch seine Uebersetzung der jüdischen Jugend das Interesse an der allgemeinen Bildung geweckt hatte. Ja, Feder machte ihm zum Vorwurf, dass Lewin die Bibel in eine so .hässliche Sprache, wie es Jiddisch sei, übersetzt habe und dadurch den Ideen der Haskala untreu geworden sei, doch müsse er ihn daran erinnern, dass Jiddisch die Sprache wäre, in der unsere Vorfahren in Polen seit mehr als vier Jahrhunderten gesprochen und gedacht haben. *) Sein persönlicher Freund S. Rappaport versuchte ihn für die Haskala zurückzugewinnen. Er schrieb ihm einen Brief (abgedr. im Ozar Hasifruth (1889) in dem er ihm das Wesen des Chassidismus und dessen Wert zu erklären versuchte. Aber dies half wenig. Er schloß sich nie mehr den Maskiiim an. 2) Sein Brief an S. J. Rappaport, abgedruckt in Gräbers: Ozar-ha- Sifruth, Jg. 1889.

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